Wem gehört die Popgeschichte (Hörbuch, 6 CDs) von Gerd Gebhardt und Jürgen Stark

VERÖFFENTLICHUNG» 31.01.2012
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Das Buch „Wem gehört die Popgeschichte“ erschien bereits im März 2010. Die Autoren stammen aus dem Musikgeschäft: Gerd Gebhardt war Präsident von Warner Central & Northern Europe sowie Vorstandsvorsitzender der Deutschen Phonoverbände, Jürgen Stark ist Autor zahlreicher Bücher zur Popkultur, außerdem Textdichter und Komponist. Jetzt gibt es das Werk als komplette Lesung auf 6 CDs, gesprochen von Peter Urban. Das Hörbuch hat einen großen Vorteil: Wenn über Musik geredet wird, dann hilft es, ab und zu auch ein Stück zu hören. Das kann ein Buch nur per CD-Beilage leisten. Auf diesem Hörbuch allerdings sind zwölf Songs in den Text integriert. Das lockert die doch recht trockene Erzählung ein wenig auf.

Durch CD 1 musste ich mich regelrecht durchkämpfen. Gebhardt und Stark holen sehr weit aus und betrachten nicht nur Popmusik an sich, sondern zeigen weitschweifig die kulturhistorische, politische und gesellschaftliche Entwicklung. Oft mit erhobenem Zeigefinger und im Stil einer wissenschaftlichen Vorlesung, die dem hauptsächlich Musik-Interessierten deutlich zu langatmig werden könnte. Die Einordnung von Popmusik als Protestkultur der Jugend macht Sinn und klar kann man Verbindungen zu totalitären Staaten knüpfen, in denen diese kulturelle Form bewusst unterdrückt wird – die verschachtelten Ausführungen zum Thema nehmen aber deutlich zu viel Raum ein.

Interessanter wird es ab CD 2, wenn Songtitel mit einfließen und die neuere Popgeschichte in einen chronologischen Zusammenhang eingeordnet wird. Schon früh wird dabei klar, dass es den Autoren nicht nur um den Bereich des Mainstream-Radios geht, den man allgemein als Popmusik bezeichnet, sondern dass sie sich allen Formen populärer Musik der jeweiligen Epochen (Blues, Jazz, Rock’n’Roll etc.) widmen wollen.

Der Bogen spannt sich über Krautrock und die Musik der 68er-Generation hin zur Neuen Deutschen Welle und den Auswirkungen der Wiedervereinigung und spart auch den Heavy Metal nicht aus. Wir hören „All Along The Watchtower“ ebenso wie „Gamma Ray“ – später dann auch den „König von Deutschland“, Falcos „Junge Römer“ und „Über sieben Brücken musst du geh‘n“ in der Version von Karat.

Informativ und subjektiv schlagen sich die Autoren durch die Jahrzehnte und zeigen ihre Sicht der Dinge auf. Man wird nicht immer mit ihnen einer Meinung sein. Bisweilen interpretieren sie meiner Ansicht nach auch zu viel in die Musikkultur hinein. Die Querverweise (beispielsweise von Gospel und Blues hin zum Rap) machen aber durchaus Sinn. Wenn man sich an den wissenschaftlichen Stil gewöhnt hat, kann man durchaus gut unterhalten werden.