Wir werden niemals knien – Die Geschichte einer unnormalen Band, In Extremo von Wolf-Rüdiger Mühlmann

VERÖFFENTLICHUNG» 04.04.2012
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Vor Ur-Zeiten waren sie mal eine typische Mittelalter-Band und spielten vor allem auf entsprechenden Märkten und Stadtfesten. Inzwischen aber haben sie sich zur renommierten deutschsprachigen Rockband gemausert und mit „Sängerkrieg“ (2008) und „Sterneneisen“ (2011) zwei überzeugende Nummer-1-Alben hingelegt. Wolf-Rüdiger Mühlmann – freier Journalist und Mitarbeiter des ROCK HARD – hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte von In Extremo beginnend mit ihren Anfängen in der ehemaligen DDR nieder zu schreiben. Daraus ist eine bewegende Bandbiografie entstanden, die detailreich und mit viel Hintergrundwissen alles berichtet, was es über diese (wie der Untertitel sagt) „unnormale“ Band zu wissen gilt.

Der Titel „Wir werden niemals knien“ trägt zum einen das Mittelalter-Flair in sich, welches die Band noch immer umgibt – doch er gibt auch eine Lebensweisheit wieder, die man sich schon zu DDR-Zeiten zu eigen gemacht hat. Und dabei geht es nicht nur um den Widerstand gegenüber der Obrigkeit, sondern darum, sich in vielen Bereichen über alle Konventionen hinweg zu setzen. Sei es im Umgang mit Plattenfirmen, mit Veranstaltern oder mit konkurrierenden Bands.

Die Sichtweise ist zwar trotz der Mitarbeit eines Journalisten sehr subjektiv und viele Seitenhiebe gegen ehemalige Weggefährten, die die Band belächelt oder unfein behandelt haben, kann man sich einfach nicht sparen. In Extremo sind bekannt dafür, dass es bei ihren Shows ordentlich kracht und typische Instrumente wie Dudelsack, Drehleier, Harfe und Schalmei in eine flammende Rockshow integriert werden, die mit pyrotechnischen Effekten par excellence aufwartet. Das Buch handelt von großen Erfolgen, schmerzhaften Niederlagen, gefährlichen Unfällen und verrückten Abenteuern, die man nur im Schmelztiegel des Rock erleben kann. Und sowohl die Mitstreiter aus der Anfangszeit als auch alle Bandkollegen, seit man In Extremo heißt, werden ausführlich gewürdigt.

Die Geschichte ist spannend geschrieben und spiegelt in weiten Teilen ein Stück Zeitgeschichte wieder. Für Freunde der Band werden die 250 Seiten zum echten Pageturner und die interessanten Verbindungen zu anderen Szenebands sind viele hübsche Anekdoten wert. Auf Kreuzfahrt in Miami – mit „70.000 Tons Of Metal“. Da endet die Geschichte. Doch es ist klar, dass das letzte Kapitel noch lange nicht geschrieben ist.