Aerosmith veröffentlichen mit „Music From Another Dimension“ ihr erstes „echtes“ Studioalbum seit elf Jahren!

VERÖFFENTLICHUNG» 02.11.2012
BEWERTUNG» 6 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
Aerosmith Music From Another Dimension! bei Amazon bestellen

Seit 42 Jahren schreiben Aerosmith nun an ihrer persönlichen Musikgeschichte. Mit positiven wie negativen Kapiteln. Ihre Alben verkauften sich weltweit über 150 Millionen Mal. 2001 wurde die Band in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Allerdings war die Karriere von Aerosmith auch stets von Drogenproblemen und internen Streitigkeiten gekennzeichnet, besonders zwischen Steven Tyler und Joe Perry. Die beiden Alphatiere werden nicht umsonst „The Toxic Twins“ genannt. Immerhin blieb ihnen im Laufe der Jahre ausreichend Zeit für solch grossartige Songs wie „Walk This Way“, „Dude (Looks Like A Lady)“, „Love In An Elevator“ oder „Janie’s Got A Gun“.

Dass jetzt mit „Music From Another Dimension“ ihr fünfzehntes Studioalbum erscheint, ist fast schon eine kleine Sensation. Im Januar 2010 sah es nämlich noch ganz danach aus, als sollte Steven Tyler die Band verlassen, was er dann aber doch nicht tat. Stattdessen kündigten die „Bad Boys From Boston“ im Mai diesen Jahres ein neues, elf Songs starkes Album für Ende August an. Aus August wurde Anfang November und aus elf schließlich fünfzehn Songs. Ganz gewitzte Zeitgenossen konnten sich diese bereits ab Mitte Oktober in Eigenregie auf CD brennen, als der „Rolling Stone“ das Album exklusiv auf seiner Webseite präsentierte, dabei jedoch dummerweise vergaß die Dateien vor einem Download zu schützen. „Music From Another Dimension“ ist das erste Aerosmith-Album mit ausschließlich neuem Material seit „Just Push Play“ von 2001 und gleichzeitig ihr vertraglich letztes für Columbia/Sony Music. Produziert wurde es von Steven Tyler und Joe Perry in Zusammenarbeit mit Marti Frederiksen und Jack Douglas, der schon in den 70er und frühen 80er Jahren für fünf Aerosmith-Alben verantwortlich zeichnete, darunter die Meilensteine „Toys In The Attic“ (1975) sowie „Rocks“ (1976).

Nach eigener Aussage war es dem Quintett besonders wichtig, mit „Music From Another Dimension“ ihr neu erwachtes Zusammengehörigkeitsgefühl zu demonstrieren. Und tatsächlich: Neben Tyler, Perry und den wie üblich eingekauften Co-Autoren kommen nach langer Zeit auch die übrigen drei Bandmitglieder – Gitarrist Brad Whitford, Bassist Tom Hamilton und Drummer Joey Kramer – mal wieder zu Songwriterehren. Joe Perry beschreibt die neuen Stücke als „Dinosaurier, die klingen, als würden sie Autos fressen“ und fragt sicherheitshalber nach: „Ist das gut?“. Zumindest ist das Album mit 68 Minuten vergleichsweise lang ausgefallen und um dem guten Joe seine Frage zu beantworten: Manches davon ist richtig gut, das meiste solide und weniges schlecht. Doch zunächst fällt etwas anderes auf: Zu dem Aerosmith-Dinosaurier hat sich offensichtlich der ein oder andere Artgenosse gesellt. Im Opener „LUV XXX“ sind es die Beatles, auch wenn der Gesangseinsatz von Julian Lennon ausgerechnet hier wohl reiner Zufall ist. „Oh Yeah“ lässt mich stark an die Stones und ihren „Jumpin‘ Jack Flash“ denken und „Freedom Fighter“ ist ein straighter Bluesrocker der Marke ZZ Top. Nur mit ein bißchen kleineren Eiern in der Hose, dafür mit Johnny Depp als Backgroundsänger.

In die Abteilung „Solide Handwerkskunst“ fällt zum Beispiel „Beautiful“, das durchaus originell, möglicherweise aber auch nur als Witz gemeint ist. Nett (und in diesem Fall nicht als die kleine Schwester von „Scheiße“ zu verstehen) sind „Tell Me“, „Legendary Child“, „Lover Alot“ oder der bluesige Stampfer „Something“. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Mit dem Schmusefaktor übertreiben es Aerosmith hingegen gewaltig. Hatte ich die Single „What Could Have Been Love“ noch für die unvermeidliche Quotenballade gehalten, so weiß ich es spätestens nach dem Piano meets Geige-Rührstück „Another Last Goodbye“ zum Abschluß des Albums besser. In die gleiche sentimentale Kerbe hauen die beiden Schmonzetten „We All Fall Down“ sowie „Can’t Stop Lovin‘ You“, das Steven Tyler im Duett mit Carrie Underwood, der „American Idol“-Gewinnerin von 2005, singt. Über das belanglose „Closer“ hüllen wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens.

Bleiben zwei richtig gute Songs übrig. Da ist zum einen „Out Go The Lights“, eine coole Bluesnummer inklusive Trompeten- und Mundharmonikaeinlage. Mit fast sieben Minuten ist das Stück nach hinten raus vielleicht nur etwas zu lang geraten. Die sechs Minuten und vierundvierzig Sekunden von „Street Jesus“ sind dagegen bestens investiert. Nach einer kurzen Aufwärmphase geht es ab wie Schmitz‘ Katze. Sehr stark! Auch wenn hier der AC/DC-Dinosaurier ein wenig Pate gestanden hat. Da uns „Music From Another Dimension“ zum Zeitpunkt dieses Reviews lediglich als Stream zur Verfügung stand, lässt sich über das Artwork leider nichts sagen.

Schiebt man die im Vorfeld auch von der Band in ungesunde Höhen geschraubten Erwartungen beiseite, so reiht sich „Music From Another Dimension“ eher unauffällig in die Riege der bisherigen Aerosmith-Alben ein. Es beweist, dass die Band trotz der langen Pause nichts verlernt, andererseits aber auch nichts dazu gelernt hat. Sollte „Music From Another Dimension“ tatsächlich ihr, wie von den Fans befürchtet, endgültiger Abgesang gewesen sein, so können sich Aerosmith damit zumindest ihre rechtmäßig erworbenen Veteranen-Orden ans Revers heften und erhobenen Hauptes dem Sonnenuntergang entgegen reiten.

Unsere Aerosmith Empfehlung

Music from Another Dimension!
63 Bewertungen
Music from Another Dimension!
  • Aerosmith, Music from Another Dimension!
  • Smi Col (Sony Music)
  • Audio CD

Letzte Aktualisierung am 21.10.2017 um 06:11 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Weitere Empfehlungen zu Aerosmith

Bestseller Nr. 1
The Essential Aerosmith
Aerosmith, The Essential Aerosmith - Col (Sony Music) - Audio CD
7,99 EUR
Bestseller Nr. 2
Aerosmith's Greatest Hits
Columbia - MP3-Download
7,99 EUR
SaleBestseller Nr. 3
Get a Grip
Aerosmith, Get a Grip - Geffen (Universal Music) - Audio CD
7,99 EUR - 0,20 EUR 7,79 EUR

Letzte Aktualisierung am 21.10.2017 um 21:31 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API