Alle Jahre wieder – Adoro zur Weihnachtszeit, diesmal mit „Träume“

VERÖFFENTLICHUNG» 16.11.2012
BEWERTUNG» 6 / 9
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„Träume“ heißt das neue Album des Klassik-Pop-Quintetts Adoro. Und wahrlich traumhaft liest sich auch die bisherige Band-Vita der ausgebildeten Opernsänger: Schon mit ihrem Debütalbum „Adoro“ schossen die Fünf auf einen sensationellen 1. Platz der deutschen Charts und erhielten nur wenig später ihre erste Doppelplatin-Auszeichnung. Ein Erfolg, der sich auch mit dem 2009 erschienenen Top 2-Nachfolger „Für immer und dich“ (Doppelplatin), dem 2010er Release „Glück“ (3-fach Gold) und 2011 mit „Liebe meines Lebens“ (Platin) fortsetzte.

Mit ihrem neuen Album setzen Peter Dasch (Bassbariton), Laszlo Maleczky (Tenor), Nico Müller (Bariton), Jandy Ganguly (Bariton) und Assaf Kacholi (Lyrischer Tenor) heute da an, wo das außergewöhnliche Projekt mit seinem letztjährigen Werk aufgehört hat. Wer einmal einen Titel von Adoro gehört hat, weiß, wie es funktioniert: Opulente orchestrale Arrangements liefern die Basis für die neu eingesungenen Stücke, die man in der Regel allesamt mitsingen kann, da es sich um Chartstürmer handelt.

Die Opernsänger geben sich stimmlich die Klinke in die Hand. Will heißen: Man teilt sich die Lyrics häufig auf. Leider verzichtet man damit meist auch auf Mehrstimmigkeit, was ich schade finde, denn das Potential für eine polyphone Umsetzung ist hervorragend. Die Sänger lassen auch nicht das typische Operngehabe mit Vibrato und pipapo raushängen, sondern singen klar und mit sanfter Schönheit.

Das funktioniert bei vielen Songs: „Solang‘ man Träume noch Leben kann“ und Tim Bendzkos „Wenn Worte meine Sprache wären“ sind wie geschaffen für die orchestrale Umsetzung. Bei „Tage wie diese“ allerdings stellen sich mir die Fußnägel senkrecht nach oben. Das will ich nicht in dieser Form hören und dafür wurde die Skip-Taste erfunden. Auch die eingedeutschte Version von Alphavilles „Forever Young“ (hier: „Für immer jung“) ist äußerst grenzwertig.

Meine Highlights sind die Neufassung von „Weinst du“, diesem Schmachtfetzen der lange verschiedenen Band Echt, und Philipp Poisels „Eiserner Steg“ als umspielte Pianoversion. Beide erreichen nicht das jeweilige Original, aber sie sind auch in Adoros Version schön anzuhören. Absolut stark ist dann die Neuauflage von „Dein ist mein ganzes Herz“. Diese Bombast-Umsetzung war schon auf dem 2011er Album und findet sich hier als Bonus-Track in einer neuen Version mit Helene Fischer. Anspieltipp!

Alle Jahre wieder erscheint das Adoro-Album kurz vor Weihnachten. Enkel legen es den Großeltern auf den Gabentisch – und wahrscheinlich auch umgekehrt. Eine gute Gelegenheit, anlässlich des Friedensfestes eventuell einen musikalischen Konsens zu finden. Adoro unterm Weihnachtsbaum können definitiv zum familiären Frieden beitragen oder zumindest eine spannende Diskussionsgrundlage schaffen.