Amplifier zelebrieren auf „Echo Street“ ein ganz neues Klanggefühl

VERÖFFENTLICHUNG» 15.03.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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Ziemlich genau 24 Monate nach der Veröffentlichung von „Octopus“ legen Amplifier mit „Echo Street“ ihr mittlerweile viertes Album vor. Nach dem selbst produzierten dritten Release stehen nun KScope, die Prog-Spezialisten, im Hintergrund. Auch das Line-up hat sich verändert. Statt Neil Mahony sind Steve Durose (Gitarre) und Alexander Redhead (Bass) neu dabei.

Die Nähe zu Oceansize wurde damit noch verschärft. Steve Durose gibt neue Impulse. Und einiges hat sich verändert: der sphärische Space-Rock mit elegischen Auswüchsen bleibt, doch ähnlich wie bei Anathema ist auch eine Hinwendung zum Pop bemerkbar. Kein Wunder. Steve Wilson beherrscht die Titelseiten diverser Musikzeitschriften – der Prog wird Mainstream. Und Amplifier betören plötzlich mit dreistimmigen Gesangspassagen wie auf „Paris In The Spring“, das für mich Dreh- und Angelpunkt des neuen Albums ist.

Sel sagt dazu: „It’s important that people understand that not everything will be like what has gone before. I never want to repeat myself.“ Starke Worte aus berufenem Munde – und sicher für manche Langzeitfans eine Drohung. Zumindest fand ich zu „Echo Street“ einen schnelleren Zugang. Ganz anders als bei den Vorgängern. Die Melodien sind filigran und zerbrechlich, doch sie gehen durchaus ins Ohr. Die Songs sind kürzer und bei weitem nicht so bombastisch, doch das tut der Musik sehr gut. Plötzlich stehen vokale Qualitäten im Vordergrund und stärken das Quartett.

Eine Rückschau in die 60er und 70er Jahre macht Spaß. Das haben Opeth und Pain Of Salvation auf ihren letzten Releases bewiesen. Amplifier beschränken sich auf die ruhige, psychedelische Phase dieser Zeit, klingen bisweilen wie Pink Floyd. Live wird es in Zukunft also weniger krachen. Stattdessen bekommen wir verträumte Tracks wie „Matmos“ und „Between Today And Yesterday“. Mit dem Mittelstück „Paris In The Spring“ hatten Amplifier mich umgehend fest im Griff. Und alles drum herum bestärkt mich in der Meinung, hier ein ganz großes Album des Jahres 2013 zu hören, das noch weiter wachsen kann.