Andreas Bourani zeigt, wo’s lang geht: „Hey“ mit der Hitsingle „Auf uns“

VERÖFFENTLICHUNG» 09.05.2014
BEWERTUNG» 9 / 9
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Längere Autofahrten eignen sich hervorragend zum Entwickeln von Verschwörungstheorien. Als ich kürzlich das neue Album von Andreas Bourani hörte, war ich nach wenigen Songs fest davon überzeugt, dass Tim Bendzko, Johannes Strate und Xavier Naidoo in Wirklichkeit die Reinkarnation ein und derselben Person sind, die in verschiedenen Gestalten auftritt und ihre Songs unters Volk bringt. Mal ehrlich – wie oft hat man genannte Personen gemeinsam auf einer Bühne oder vor einer Kamera gesehen? Und überhaupt – gab es schon Auftritte in Bielefeld? Fragen über Fragen. Aber Spaß beiseite. Stimmliche und stilistische Ähnlichkeiten sind durchaus vorhanden. Und das meine ich jetzt absolut positiv. Xavier hat den Staffelstab inzwischen an die jungen Nachfolger abgegeben, doch was Strate, Bendzko und Bourani abliefern ist durchweg stark.

So ist es kein Wunder, dass die Vorab-Single des Albums „Hey“ mit dem Titel „Auf uns“ äußerst schnell Platz 1 der Single-Charts enterte. Hinzu kommt, dass er sich textlich zwar auf eine nostalgische zwischenmenschliche Kumpel-Ebene begibt, aber durchaus auch als WM-Song taugen könnte. Die Toten Hosen lassen grüßen. Ein Titel, der ins Ohr geht und auf Anhieb Sympathien weckt.

Zunächst ist da aber das Intro „Refugium“. Instrumental mit den Geräuschen einer gespannten Zuschauermenge. Das schafft Atmosphäre und man fühlt sich geborgen – egal von welcher Seite betrachtet. Als Zuschauer, der auf ein Konzert wartet, oder als Künstler, bevor er die Bühne betritt. „Wieder am Leben“ heißt dann der erste Song und man erkennt die alten Zutaten: eine emotionale Stimme und die Pianobegleitung. So lieben wir Andreas Bourani und das Piano ist aus seinen Songs nicht weg zu denken.

„Auf uns“ allerdings hat eine Eröffnung im Coldplay-typischen Streicher-Stakkato. Solches findet sich auch auf „Füreinander gemacht“. Passt gut und verleiht den Stücken einen hymnischen Charakter. Wirklich laute Töne sucht man vergebens. Alles ist balladesk gehalten, mal mit Ausnahme von „Nimm meine Hand“ und „Ein Ende nach dem anderen“. Letzteres übrigens mit einer netten Textidee über eine Beziehung, die immer nur für eine Nacht anhält. Quasi ein chronischer One-Night-Stand.

Überhaupt die Texte. Da ist „Delirium“ als Titel für eine unvernünftige Liebe, an der man sich berauscht. Ein gitarrendominierter Song, der sich wie ein Rausch zum Ende hin steigert. Bourani spielt viel mit Text und Arrangement. So schließt der Titelsong „Hey“ mit akustischen Gitarrenklängen ab. Schön, wenn man sich Zeit für solche Spielereien nimmt. Sehr stark finde ich „Auf anderen Wegen“ über zwei Menschen, die nicht zusammen kommen, weil das Herz des einen schneller schlägt. Dieses Gefühl wird wunderbar auf die Musik übertragen: ein langsames Piano, eine schnelle Gitarre – zwar harmonisch, aber in unterschiedlichen Tempi.

Das einzige, was mir an diesem Album nicht gefällt, ist das Cover. Ansonsten aber: Respekt! Handwerklich gut verarbeitete Popmusik, poetische Texte, eine starke, charismatische Stimme. Das Album ist so dynamisch wie sein antreibender Titel: „Hey“.

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