Andrew Roachford – The Beautiful Moment: Ein Album voller wunderschöner Momente

VERÖFFENTLICHUNG» 20.09.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Andrew Roachford ist so etwas wie der Inbegriff für gelebte Musik. Bereits siebenjährig wurden ihm erste Klavier-Lektionen erteilt, mit 14 ging er mit seinem Onkel Bill, einem renommierten Jazz-Saxophonisten, auf Tournee. „Jazz war meine erste große musikalische Leidenschaft“, bekennt Andrew, „ich bin auf ihn durch meinen Onkel und meinen Vater, der ebenfalls Musiker ist, gestoßen worden. Zwar höre ich inzwischen bei weitem nicht mehr so obsessiv Jazz wie als Teenager. Doch er spielt bestimmt eine Rolle in meinem aktuellen Sound, wenn auch unbewusst.“

In den 90ern war er als R&B-Sänger weit über Großbritannien hinweg bekannt, glänzte zunächst als Mastermind der Band Roachford und später dann auch solo mit den Alben „Heart Of The Matter“ und „Word Of Mouth“, mit denen er aber nicht mehr an frühere Verkaufszahlen anknüpfen konnte. Damit teilt er das Schicksal vieler guter Sänger (wie auch seines Vorgängers Paul Carrack bei Rutherfords Mechanics): tolle Stimme, in Ansätzen bekannter Name und dennoch kein kommerzieller Erfolg. Was fehlt, ist wohl der große Single-Hit. Roachford könnte viele Herzen erreichen, wenn man ihm denn die Chance dazu gäbe.

Er singt mit sanfter Stimme und lässt einige gekonnte Koloraturen einfließen. Pop und Blues, schöne Melodien. Es braucht nicht viel mehr als das und ein paar Gitarrenakkorde, um zeitlose Popmusik zu schaffen, die Einflüsse von R’n’B, Soul und Funk mit sich bringt. Die Songs auf „The Beautiful Moment“ hat Andrew Roachford vor allem mit seinem Bruder Stephen geschrieben. Melancholische Stücke, etwas Gospelmusik, eine große Portion Blues. Mir gefallen die Piano-Elemente in „Because You“ und die Slide-Gitarre im direkt anschließenden „Without You“. So entsteht ein gefühlvolles, ruhiges Album mit viel Seele, auf dem Roachford vor allem eines kann: Das Charisma seiner kraftvollen Stimme voll ausleben.

Die Tatsache, dass Roachford seit einiger Zeit als Sänger von Mike & The Mechanics unterwegs ist, gibt seiner Popularität in Deutschland neuen Auftrieb. Das hat er sich redlich verdient. Und wer die Stimme erst einmal lieb gewonnen hat, kann sich auch an den Soloalben des Briten ergötzen.