Marillion The Singles 89-95 – Auch die Singles aus Marillions erster Phase mit Steve Hogarth von 1989 bis 1995 erscheinen nun als kompakte CD-Box

VERÖFFENTLICHUNG» 19.04.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Marillion und ihre Singles – das war schon immer eine ganz besondere Geschichte. Wer die 1988 nach dem Ausstieg von Fish erschienene Kompilation „B‘Sides Themselves“ hört, wird verstehen, was ich meine. Obwohl die Progrocker aus Großbritannien eine klassische Albumband sind, waren viele ihrer besten Werke nie auf einem Album sondern nur im Singleformat erschienen. „Market Square Heroes“ beispielsweise, oder das 17minütige Epos „Grendel“. Songs die zur Diskographie von Marillion dazugehören, wie man dies kaum von B-Seiten anderer Bands behaupten kann.

Nach dem Ausstieg von Fish und der Verpflichtung von Steve Hogarth als Leadsänger versuchte man natürlich, diese Tradition fortzusetzen, doch mit dem vorläufigen Ende des Vinyl-Zeitalters änderten sich die Hörgewohnheiten und klassische Singles hatten es schwer, sich auf dem Markt durchzusetzen. Zu Beginn wurden die Singles der Alben „Seasons End“ und „Holidays In Eden“ noch mit echten B-Seiten angereichert: „After Me“ beispielsweise fand sich nicht auf dem Vinyl-Album, allerdings auf der CD-Version. „The Bell In The Sea“, „The Release“, „How Can It Hurt“ und „The Collection“ gelten bis heute als versteckte Marillion-Perlen, die es nicht auf die regulären Alben geschafft haben.

Danach allerdings begann die Zeit der Remixe und Live-Versionen. Diese zierten nun die B-Seiten, um den Singles einen Mehrwert zu geben. Ein Wunder, dass es überhaupt noch Single-Veröffentlichungen der Band gab, denn chartrelevant waren diese schon lange nicht mehr. Trotzdem verstecken sich hier einige Highlights für Fans der Band. Schließlich sang Steve Hogarth nun live auch Titel der Fish-Ära ein. „Warm Wet Circles“, „That Time Of The Night“ – diese gehören heute noch zu beliebten Livetiteln der Band. Es wurde sogar getrickst: Man hatte zwar im Vorfeld ausgesagt, keine Hits der frühen Jahre im Studio neu einzuspielen, es gab aber nun sogenannte Live-Titel, die ohne Publikum eingespielt wurden und so erklang „Kayleigh“ plötzlich doch als Studiotitel mit Hogarths Stimme.

Marillions EMI-Geschichte endete mit den Alben „Brave“ und „Afraid Of Sunlight“. Für mich immer noch die besten Werke der Hogarth-Ära. So enthält die vorliegende Box alle Singles bis einschließlich 1995. Mit „Icon“ und „Live Forever“ gab es zum Ende hin gar wieder zwei echte B-Seiten, die ansonsten nicht auf Studio-Veröffentlichungen vertreten sind.

Bereits Anfang des Jahrtausends erschien ein Boxset, das alle zwölf Singles von „Hooks In You“ bis „Beautiful“ auf sich vereinte. Die schön gestaltete Pappbox enthielt die Singles als Einzel-CDs in Papphüllen mit den üblichen Radio Edits, Extended und Alternative Versions, B-Seiten und Liveversionen. Das neue 4-CD-Set ist nun wirklich nichts anderes als die Verteilung eben dieser Songs auf vier Silberlinge statt auf zwölf. Punkt. Nichts kommt dazu – nichts fehlt. Das Booklet gibt die nötigen Hintergrundinfos (wirklich nur in statistischer Kurzform) und bildet alle Originalcover ab. That’s it.

Beinharte Fans werden das Set nicht brauchen. Sie haben Anfang der 90er die Singles ihrer Lieblingsband gesammelt oder zumindest die Box im Regal. Doch wer in dieser Richtung noch nicht fündig geworden ist und wem die längst vergriffene Box im Second-Hand-Handel zu teuer ist, der wird sich über das neue Set „The Singles 89-95“ sehr freuen. Und wer die Marillion der Hogarth-Ära gerade erst entdeckt, bekommt hier ein hervorragendes Werk, das die kommerzielle Seite der Band ausgiebig im Blick hat.

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