Band of Horses bieten mit „Mirage Rock“ ein abwechslungsreiches Werk voller neuer Horizonte

VERÖFFENTLICHUNG» 14.09.2012
BEWERTUNG» 6 / 9
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Das Plattenlabel Sub Pop hatte ja bekanntermaßen schon immer ein gewisses Gespür für junge aufstrebende Bands und säugte die meisten so lange an der Mutterbrust, bis der Nachwuchs alleine für sich sorgen konnte oder eben den Bund der Ehe mit einem Major Label schloss. In diesem Fall der „Band Of Horses“ aus der Stadt Seattle im Nordosten der USA, war das ähnlich. Vor gut zwei Jahren wechselten die fünf bärtigen Männer mit der Veröffentlichung des Vorgängers „Infinite Arms“ zu Sony Music.

Die waldschratige Fleet Foxesche Folkrock – Melancholie der ersten beiden Alben „Everything All The Time“ (2006) und „Cease To Begin“ (2007) streifen Benjamin Bridwell und seine neuen vier Bandkollegen dort über weite Strecken ab und veröffentlichen ein abwechslungsreicheres Werk voller neuer Horizonte. Dafür gab es für die Musiker sogar eine Grammy – Nominierung in der Kategorie „Best Alternative Album“, eine Tour im Vorprogramm von Pearl Jam und einige Meriten mehr. Jetzt also der vierte Longplayer „Mirage Rock“, aufgenommen im Sunset Sound Studio zu L.A. in der Besetzung Ben Bridwell, Creighton Barrett, Ryan Monroe, Bill Reynolds und Tyler Ramsey.

Wer aufgrund der zuvor genannten „Referenzen“ Sub Pop und Seattle auf die Musik der Band voreilig schließen möchte, für diesen Hörer sei hier Vorsicht geboten. Die aktuelle Scheibe der Band Of Horses lässt nur an ein, zwei Stellen die Zügel richtig los und versprüht so etwas wie rockige Anklänge. Der Rest der Songs ist durchaus gut arrangiert, allerdings wird der am inneren Auge vorbei ziehende Highway im Mittleren Westen Amerikas mit gedrosseltem Tempo  passiert und gemächlich filigran zupfen sich die Männer hier durch ihre Gitarren lastige Mischung aus harmonischem Chorgesang wie Crosby, Stills & Nash.

Der Melodramatiker Bridwell spielt erneut mit den Elementen der Melancholie, Traumwelten, Natur und Westernmythologie und der uramerikanischen Pionierstimmung. Deutliche Country – und Westcoast Anklänge im Stil der Eagles weisen hier eher den Weg ins sonnige Kalifornien statt ins regnerische Seattle und die weichen Gitarrentöne und wunderschönen Vokalpassagen schmiegen sich sanft in die klare Melodieführung der Songs ein. Scharfe Ecken und Kanten gibt es in der Musik auf „Mirage Rock“ keine, alles kommt in einem runden, warmen, manchmal seichten, trotzdem auch bisweilen aufwändigen Klangbild daher. Es sind eben bitter süße Folkrock Knabbereien mit Zuckerglasur, die durch die im Artwork gesetzten nebulösen Wälder und Wiesen schweben.