„Bangerz“ – Miley Cyrus schielt Richtung Thron und knüpft Seilschaften

VERÖFFENTLICHUNG» 04.10.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Da hat sich die Miley also gedacht, sie muss sich von ihrem Braves-Mädchen-Image frei schwimmen. Und tatsächlich, kaum einer denkt momentan noch über ihre Rolle als Hannah Montana nach. Stattdessen geht es um Skandale und Skandälchen, freizügige Auftritte in diversen Shows, das Nackedei-Video zu „Wrecking Ball“. Hat Miley jetzt erreicht, was sie wollte? In gewissem Sinne schon. Keiner sieht jetzt mehr das Image als brave Vorzeige-Schwiegertochter, das ihre Fernsehrolle vorgab. Aber leider setzt sich das Boulevard nun mal bevorzugt mit den neuen Äußerlichkeiten auseinander und nicht mit der Musik. So wird über das Schlecken an Werkzeugen resümiert, aber nicht über die Qualität dieses durchaus starken neuen Songs, der Miley in eine Liga mit Katy Perry katapultieren könnte. Und auch Miley schaltet (was ihre jugendliche Aufsässigkeit nun mal gebietet) auf stur und leistet sich Wortgefechte mit Sinead O’Connor, anstatt deren wohlmeinenden Rat einfach anzunehmen. Die Plattenfirma wird’s freuen, da den Promotern vermutlich egal ist, womit Miley die Schlagzeilen beherrscht. Hauptsache, sie bleibt präsent.

Was aber das Album angeht, hatte Miley sich doch einiges vorgenommen. Zumindest hörten sich ihre vollmundigen Ankündigungen sehr selbstbewusst an – vom Erklimmen des Pop-Olymp war die Rede. Schafft die 20jährige das bereits mit ihrem dritten eigeständigen Studioalbum ohne Hannah Montana im Hintergrund? Die diversen Veröffentlichungen spielen schon wieder mit Äußerlichkeiten. Es gibt in der Deluxe Version einen netten Sticker-Bogen (die BRAVO lässt grüßen) und vier verschiedene Versionen des Albumcovers, die verschiedene Grade nackter Haut aufweisen und die der Teeniefan bestenfalls komplett sammelt.

Musik findet sich auch – und hier kann man sich der Tragik des Geschehens bewusst werden. Ich höre ein hervorragendes, selbstbewusstes Album mit einer Reihe starker Songs. Der Opener „Adore You“ erzeugt Gänsehaut und lässt Mileys Vocals deutliche Entfaltungsmöglichkeiten. Ihre stimmlichen Fähigkeiten sind hervorragend, das hat schon der Smash-Hit „Wrecking Ball“ bewiesen. Hinzu kommen die Kollaborationen mit Britney Spears, Nelly, Future, Big Sean und French Montana. Vor allem „SMS (Bangerz)“ featuring Britney zeigt die beiden als Seelenverwandte, die einiges durchmachen mussten, um vom Kinderstar zur erwachsenen Künstlerin zu werden. Der Song gibt das aber nicht unbedingt her – da wäre mehr drin gewesen. Allerdings gefallen mir der Ohrwurm „4×4“ mit Nelly und das melodische „Maybe You’re Right“.

Die Vielzahl von Rap-Passagen ist geschenkt. Wäre nicht nötig gewesen, gehört aber momentan wohl zum guten Ton. Auch die Dubstep- und Elektronik-Momente beispielsweise in „FU“ kann man sich anhören. Und Tanznummern wie „Love Money Party“ sind nun nicht gerade mein Fall, stehen aber Miley gut zu Gesicht. Wer die Deluxe Edition wählt, bekommt noch drei Bonustracks oben drauf. Ratschläge, wie man Schlagzeilen durch musikalische Qualität ersetzt, sparen wir uns jetzt einfach. Prinzipiell ist Miley auf einem guten Weg – das „Game Of Thrones“ um den „Queen of Pop“-Thron kann beginnen!

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