Bat For Lashes schafft mit „The Haunted Man“ ein weiteres Album voller melancholischer Träumereien

VERÖFFENTLICHUNG» 12.10.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Unter dem Pseudonym Bat For Lashes hat die britische Songwriterin Natasha Khan sein Mai 2006 die Musikwelt ordentlich aufgemischt. Tief bewegende Songs, dunkel und traumhaft. Dafür gab es zwei „Mercury Music Prize“ Nominierungen, zunächst für das Debüt „Fur And Gold“, dann für den elektronisch-poppigen Nachfolger „Two Suns“. Von Beginn an wurde sie mit Größen wie Kate Bush, Björk und Tori Amos verglichen. Kein Wunder, denn stimmlich erreicht sie durchaus deren Niveau und kann auch in der künstlerischen Ausdruckskraft locker mithalten.

Die Cover der ersten beiden Werke waren sehr bunt und verträumt gehalten – im Stil von Fantasy-Gemälden. Da kommt das schwarz-weiße „The Haunted Man“ zunächst etwas trist daher. Doch wieder stellt Natasha sich selbst in den Mittelpunkt und zeigt sich mutig nackt mit einem „erlegten“ Männerkörper.

Musikalisch bewegt sich Bat For Lashes weiterhin auf der Schiene zwischen Indiepop und Neofolk. Die Referenzen an große Vorbilder sind deutlich, ohne abzukupfern. Wieder sind alles Songs sehr leicht und getragen gehalten, elektronisch verspielt, enthalten einige Samples und eine spannende Instrumentierung: Piano, Streicher, Synthesizer, Akkordzither. Die Stimmung ist weniger düster als noch bei den Vorgängern. Natasha Khan schwankt in ihren Songs zwischen Melancholie und dezenter Fröhlichkeit.

Schon die erste Single-Auskopplung „Laura“ ist sehr leise und hat ganz emotionale Momente, wenn Natashas Vocals grundlegend im Vordergrund stehen. Es gibt das romantisch-verspielte „Marilyn“, den Song „The Haunted Man“ inklusive Männerchor-Einlage und eine wundervolle Pianomelodie zum abschließenden „Deep Sea Diver“.

Für die Aufnahmen ging Bat For Lashes nach Italien und verbrachte einige Tage mit Produzent David Sitek in L.A. – trotzdem ist das Album sehr britisch geworden. Die Orchestrationen entstanden gemeinsam mit den Arrangeuren John Metcalfe und Sally Herbert in den Abbey Road-Studios. Alles in allem stimmt die Mischung aus lyrischen Erzählungen, angedeuteter Tanzbarkeit und viel Melancholie. Ein erster Anwärter für kommende Kaminfeuer-Sessions.