Beady Eye – BE: Sitek lockt spannende neue Seiten aus dem Quintett

VERÖFFENTLICHUNG» 07.06.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Nachdem die Risse zwischen den Gallagher-Brüdern nicht mehr zu kitten waren und Oasis endgültig auseinander brach, machten beide auf ihre Weise weiter und riefen eigene Projekte (zum Glück mit neuen Bandnamen) ins Leben. Liam schaffte es immerhin, die verbliebene Oasis-Mannschaft hinter sich zu versammeln. Zu Beady Eye gehören neben dem Frontmann auch Andy Bell (Gitarre), Gem Archer (Gitarre) und Chris Sharrock (Drums). Den Posten am Bass, den zeitweise Jeff Wooton inne hatte, bekleidet nun Jay Mehler (Ex-Kasabian).

Das wäre die Ausgangslage. Das Debüt „Different Gear, Still Speeding“ versprach zumindest nominell eine Fortführung der bisherigen künstlerischen Richtung. Auch auf dem zweiten Album ist der Einfluss der Beatles bei keinem Song zu leugnen. Fast, als habe man beschlossen, stilistisch an die ersten Oasis-Alben anzuknüpfen und das Beatles-Revival auch zu einem Oasis-Revival zu machen. Genau das, wovon alle sagten, ohne Noel sei die Idee von vorne herein zum Scheitern verurteilt.

Der Ausflug in die 60er geht also weiter. Nicht zu unterschätzen ist allerdings der Einfluss von Dave Sitek als Produzent. Er ist Mitglied der US-Band TV On The Radio und nahm schon das letzte Album der Yeah Yeah Yeahs unter seine Fittiche. Liam zumindest lobt ihn über den grünen Klee. Und Sitek wiederum lockt spannende neue Seiten aus dem Quintett namens Beady Eye.

Viele Songs klingen melodisch und Oasis-lastig, es gibt aber auch interessante Ausnahmen wie das düstere „Soul Love“. Zudem bringt Sitek einige Neuerungen mit, die man von seiner Indie-Band kennt: Protools, Musikkassetten, Sampler, Gesprächs-Mitschnitte, iPhone Apps – das sorgt für neumodische Klänge, die sich aber nicht mit dem Britpop-Retrosound beißen.

Besonders stark sind Rocknummern wie das flotte „I’m Just Saying“ und die Bläser-Sektion auf „Flick Of The Finger“. Zudem müssen kleine Seitenhiebe sein: auch Bruderherz Noel bekommt seine fünf Minuten Ruhm über die kurzweilige Akustik-Ballade „Don’t Brother Me“. Was bleibt sind am Ende also einige starke Nummern, die sich in den Gehörgängen festsetzen und die hohen Erwartungen durchaus erfüllen. Stilistisch dürfen sich Oasis-Fans hier absolut Zuhause fühlen. Die neuen Soundelemente schrecken nicht allzu sehr ab.