Bei den Gallows geht der Punkcore ab!

VERÖFFENTLICHUNG» 07.09.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Vom ersten Augenblick ihrer Gründung im Jahr 2005 an waren die Gallows eine für die britische Rockszene eher untypische Band. Das Quintett kommt zwar aus Watford und damit aus der britischen Underground-Punk-Szene, ihre Wurzeln liegen jedoch mehr im amerikanischen Hardcore. Seitdem haben sie zwei von Fans und Kritikern gleichermaßen gelobte Alben veröffentlicht und mit ihrem brachialen Sound den weichgespülten Kollegen der Marke Green Day oder Rise Against kräftig in den Hintern getreten. Unsere Freunde des „Kerrang!“ lobten sie nicht umsonst einst als „the best britisch punk band since The Clash“.

Auch auf ihrem dritten selbstbetitelten Longplayer bleiben die Gallows diesem Stil treu. Wobei man dabei eigentlich kaum von einem Longplayer sprechen dürfte, erreichen die elf Songs zusammen doch nur eine Länge von knapp 33 Minuten. In der Kürze liegt bekanntlich die Würze. „Gallows“ ist zudem das erste Album mit neuem Sänger. Nach dem letztjährigen Ausstieg von Frank Carter fand die Band mit dem ehemaligen Alexisonfire-Frontmann Wade MacNeil einen würdigen Nachfolger. Seine Stimme passt wie die Faust aufs Auge zur kraftstrotzenden musikalischen Dynamik der Herren Laurent Barnard, Steph Carter, Stuart Gili-Ross und Lee Barratt.

Beim Intro zum Opener „Victim Culture“ wähnt man sich noch kurz im falschen Film, aber dann geht im wahrsten Sinne des Wortes „der Punkcore ab“. Schrammelige Gitarren wechseln sich ab mit leicht gebremstem Schaum. Überwiegend explodiert das Ganze einfach im kreativen Chaos. Bands wie Orchid oder Refused gaben den unzufriedenen Kids da draußen so schon in früheren Zeiten ein Ventil, heute singt und schreit sich Wade MacNeil für sie die Seele aus dem Leib. Und alle gröhlen mit bis der letzte Ton von „Cross Of Lorraine“ verklungen ist. Danach darf jeder sein T-Shirt auswringen und die blauen Flecken aus dem Pogo-Pit zählen.

Das alles ist weder neu noch sonderlich innovativ. Aber in den Gallows steckte schon immer eine besondere Art von Wut und Wucht. Dass die nach dem Ausstieg von Chef-Giftspritze Frank Carter nochmal in einem solch druckvollen Album münden würde, hätten wohl die wenigsten gedacht. So kann man sich irren.

1 Kommentar

  1. Das Review bringt es auf den Punkt: Gallows funktionieren ohne Turner sehr gut!!! Habe ich nach dem Ausstieg nicht für möglich gehalten.
    Die neue Band von Turner „Pure Love“ könnte ja jetzt langsam auch mal was von sich hören lassen 😉

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