Ben Harper und seine Mutter Ellen auf leisen Sohlen im „Childhood Home“

VERÖFFENTLICHUNG» 02.05.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Ben Harper muss man den meisten Leuten wohl nicht mehr lange vorstellen. Seit nunmehr 13 Studioalben widmet sich der US-amerikanische Musiker dem Folk, Rock und Blues und glänzte zuletzt vor allem durch seine überaus spannende und grammydekorierte Kollaboration mit Charlie Musselwhite (hier gibt es das Review zu „Get Up!“). Jetzt hat sich Ben Harper mit seiner Mutter Ellen zusammengetan und ein klassisches Americana/Folk Album aufgenommen, das auf den passenden Namen „Childhood Home“ hört. Er selbst sagt allerdings dazu: „Vermutlich wird man es ‘Americana’ nennen, aber eigentlich ist es Soul, California, Folkrock, American“. Nun gut, wie auch immer… „Childhood Home“ hat jedenfalls zehn neue Songs zu bieten, von denen sechs aus der Feder von Ben Harper stammen, vier schrieb Mama Ellen.

Der Ursprung des Albums liegt natürlich in dem eher ungewöhnlichen musikalischen Umfeld der beiden. 1958 riefen Ben Harpers Großeltern mütterlicherseits das Folk Music Center & Museum in Claremont in Kalifornien ins Leben, wo Ben dann später Workshops von Taj Mahal, Ry Cooder oder David Lindley miterleben durfte, die dann auch zwangsläufig einen großen Teil zu seiner musikalischen Entwicklung beitrugen. So ist „Childhood Home“ komplett akustisch produziert. Nichts ist verstärkt. Und dass das Material sehr persönlich und intim ausgefallen ist, kann man sich wahrscheinlich denken.

Es beginnt mit dem sehr schönen „A House Is A Home“. Schon hier merkt man, dass die Stimmen von Ben Harper und seiner Mutter wunderbar miteinander korrespondieren. Besonders deutlich wird das später noch in „Break Your Heart“. Doch auch die Soloparts, die Ellen Harper singt, sind nicht von schlechten Eltern (um im Bild zu bleiben), so etwa bei „City Of Dreams“ oder „Altar Of Love“. Zwischendurch steuert der Sohnemann ein paar gelungene Banjospielereien bei („Farmer’s Daughter“). Lediglich „“Born To Love You“ ist etwas arg schnulzig geraten, was jedoch vom verträumten Closer „How Could We Not Believe“ wieder nahezu wett gemacht wird. In ihren Texten (alle im Booklet) beleuchten die beiden die Unwägbarkeiten des Familienlebens mit absoluter Ehrlichkeit und großer Nähe und haben es sich zudem nicht nehmen lassen für das Artwork in alten Familienalben zu kramen. Da sieht man zum Beispiel Klein Ben beim Schneemannbauen oder Mutter und Sohn im Wandel der Zeit.

„Childhood Home“ ist kein Album für die grosse Bühne. Es ist ein leises Album, mit dem sich zwei Menschen ihrer gegenseitigen Liebe versichern. Es lädt zum Innehalten ein, zum Luftholen und zum Nachdenken darüber, was wirklich wichtig ist im Leben.

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