Biffy Clyro setzen sich mit „Opposites“ ein Denkmal!

VERÖFFENTLICHUNG» 25.01.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
Biffy Clyro Opposites bei Amazon bestellen

Was haben Biffy Clyro und die Kings Of Leon gemeinsam? Abgesehen von der Tatsache, dass bei den Schotten ebenso wie bei dem Quartett aus Tennessee Brüderpaare eine wichtige Rolle spielen, auf den ersten Blick wenig. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man aber noch eine weitere Parallele zwischen beiden Bands. Kings Of Leon gingen 2008 mit ihrem Album „Only By The Night“ und der Single „Sex On Fire“ quasi über Nacht wie eine Rakete durch die Decke. Seit dem Nachfolger „Come Around Sundown“ von 2010 ist es verdächtig ruhig um die vier Südstaatler geworden. Gerüchte sprechen von Erschöpfung und massiven Alkoholproblemen Caleb Followill’s als Gründe für die Funkstille. Biffy Clyro hätten sich 2009 nach über einer Million verkaufter Exemplare von „Only Revolutions“ ebenfalls entspannt zurücklehnen können. Stattdessen hatten auch die drei Kindergartenfreunde aus Ayrshire mit einem Burn Out und dem zunehmenden Alkoholkonsum von Schlagzeuger Ben Johnston zu kämpfen. Anders als die Kings Of Leon begriffen Biffy Clyro ihre Krise jedoch offensichtlich als Chance.

Innerhalb kürzester Zeit inspirierten die diversen Zerrüttungen Frontmann Simon Neil zu 45 neuen Songs. Mit etwa der Hälfte davon ging das Trio die Arbeiten am neuen Album an, aber „nachdem wir die ersten paar Wochen im Studio verbracht hatten, war ich mir sicher, dass wir nicht nur ohne ein neues Album, sondern auch als Ex-Band nach Hause zurückkehren würden“, erzählt Bassist James Johnston. Nicht zuletzt dank Produzent GGGarth Richardson bekam die Band schließlich doch die Kurve. Das Ergebnis heisst treffenderweise „Opposites“ und ist gleich ein Doppel-Album geworden. Auf der einen Seite (betitelt mit „The Sand At The Core Of Our Bones“) verarbeitet es die düsteren Herausforderungen der vergangenen vier Jahre und auf der anderen („The Land At The End Of Our Toes“) wirft es einen optimistischen Blick in die Zukunft. Die Auseinandersetzung mit den inneren Dämonen hat sich gelohnt. Biffy Clyro nehmen die Kurve mit Vollgas und präsentieren sich auf „Opposites“ auf ihrem künstlerischen Zenit.

Leider liegt uns das Album „nur“ in der Standard Edition mit vierzehn Songs vor. Wer kann, greift deshalb besser gleich zur Deluxe Edition, die neben sechs zusätzlichen Stücken noch eine „Making Of“-DVD zu bieten hat. Doch egal wie ihr euch entscheidet, ihr könnt nichts falsch machen. Ein Song ist geiler als der andere. Schon der Opener „Different People“ sorgt für Gänsehaut-Feeling, das bis zum fröhlichen Closer „Picture In A Knife Fight“ anhält. Dazwischen brennen Biffy Clyro ein wahres Hymnen-Feuerwerk ab. Der musikalische Bombast hat auch aufgrund der Mithilfe von Soundtrack-Starkomponist Clint Mansell („Black Swan“, „The Wrestler“) zugenommen. Das keyboardlastige „Skylight“ ist dafür ein gutes Beispiel. Man kann kritisch anmerken, gleichzeitig sei der Stadionrock-Faktor gestiegen. Auch die opulenten Orchesterarrangements von David Campbell könnten diesen Eindruck verstärken. Aber Biffy Clyro haben auf „Opposites“ Songs von solch kompositorischer Schönheit und emotionaler Tiefe geschaffen, dass man vor Begeisterung einfach nur heulen möchte. Von mir aus auch im Stadion.

Der Hammer schlechthin ist dabei das verträumte Titelstück, bei dem sich Simon Neil von Band Of Horses-Sänger Ben Bridwell unterstützen lässt. Knapp dahinter kommt „Victory Over The Sun“, das sich erst in Melancholie wälzt, dann ausbricht, springt, hüpft und vor lauter Freude überschlägt. Noch immer liefern Biffy Clyro diese typisch kantigen Alternative-Knaller ab, die sie so einzigartig machen („Sounds Like Ballons“ oder „Trumpet Or Tap“). Ihre Prog-Wurzeln vergessen sie darüber nicht. Mit „The Joke’s On Us“ und insbesondere dem dudelsackgeschwängerten „Stingin‘ Belle“ unternehmen sie einen Abstecher in die schottischen Highlands. Und natürlich wird nach wie vor gerockt bis der Arzt kommt. Davon zeugte bereits die vollfette und zugleich ungemein leichtfüßige erste Single „Black Chandelier“, der das galoppierende „Spanish Radio“ (inklusive eines formidablen Mariachi-Soundclashs), „Biblical“ oder „Modern Magic Formula“ in nichts nachstehen. „Opposites“ wurde übrigens innerhalb von fünf Monaten im The Village Studio in Los Angeles eingespielt. Ein Studio mit grosser Vergangenheit. Fleetwood Mac, die Rolling Stones oder Pink Floyd schufen hier bereits Werke von epochalen Ausmaßen. Biffy Clyro fügen dieser Reihe nun ein weiteres hinzu. Ob sie sich dazu von Ex-Schalke 04-Manager Rudi Assauer inspirieren ließen ist allerdings nicht überliefert. Immerhin greifen sie dessen legendären Spruch „Wenn der Schnee schmilzt, sieht man wo die Kacke liegt“ in „The Thaw“ gleich mehrfach auf: „The secrets in the snow will always come out in the thaw“…

In Zeiten, in denen Musik austauschbar geworden ist und oftmals nur noch so lange als Ablenkung dient, bis man sich dem nächsten vermeintlichen Big Thing zuwendet, haben sich Biffy Clyro mit „Opposites“ selbst ein Denkmal gesetzt. „Wir haben es irgendwie geschafft, alles wieder ins Ruder zu bekommen. Es gibt immer zwei Wege, schwere Zeiten gemeinsam durchzustehen. Ich bin froh, dass wir den richtigen gewählt haben“, sagt James Johnston. Verdammt nochmal, das sind wir auch. Für „Opposites“ kann es am Ende dieses Reviews nur die Höchstwertung geben. 9 von 9 Punkten. Mehr haben wir leider nicht.

Empfehlungen zu Biffy Clyro

Bestseller Nr. 1
Ellipsis (Deluxe)
Biffy Clyro, Ellipsis (Deluxe) - Warner Music International (Warner) - Audio CD
6,99 EUR
Bestseller Nr. 2
Opposites
Biffy Clyro, Opposites - Warner Music International (Warner) - Audio CD
4,99 EUR
Bestseller Nr. 3
Only Revolutions
Biffy Clyro, Only Revolutions - Warner Music International (Warner) - Audio CD
4,99 EUR

Letzte Aktualisierung am 20.09.2017 um 00:21 Uhr / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API