Birdy – junge Künstlerin mit unfassbarer Stimme

VERÖFFENTLICHUNG» 16.11.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Um als junger Künstler schnell bekannt zu werden, braucht man entweder eine Castingshow oder YouTube. Das ermöglicht kein gesundes Reifen der musikalischen Fähigkeiten mehr, aber zumindest gelingt es dem ein oder anderen Jungstar, das Strohfeuer zu einem Flächenbrand auszuweiten.

Birdy heißt im realen Leben Jasmine van den Bogaerde, ist 16 Jahre alt und stammt aus dem britischen Lymington. Das zu den fassbaren Fakten. Unfassbar ist allerdings ihre Stimme – farbenfroh und ausdrucksstark. Die Mutter ist eine gefeierte Konzertpianistin. Schon mit fünf Jahren lernte die Tochter also Klavier zu spielen. Der Gesang schien ihr aber mehr zu liegen. Es gab Preise bei lokalen Talentwettbewerben und schließlich den Gesamtsieg von „Open Mic UK 2008“, was die Möglichkeit von Studioaufnahmen mit sich brachte.

Im März erschien ihr Debütalbum „Birdy“. Noch nicht der ganz große Erfolg (Platz 13 in UK, 37 in Deutschland), doch mehr als ein Achtungserfolg. Es ist ein Album voller Coverversionen. Nicht die bekannten Hits, sondern beispielsweise das betörende „White Winter Hymnal“ von den Fleet Foxes oder „Shelter“ der Indierocker The XX. So muss man sich die ewigen Vergleiche mit dem Original gar nicht erst antun. Aushängeschild bleibt jedoch das wundervolle Bon Iver-Cover „Skinny Love“, das die Internet-Portale im Sturm eroberte.

Der Track „People Help The People“ wurde nun offizieller Song zum „Red Nose Day“. ein guter Anlass, um dem Album eine weitere Chance zu geben und es mit Bonus-DVD neu zu veröffentlichen. Fünf Songs („Live At The Tabernacle“) zeigen die zarte Jugendliche bei einem Konzertausschnitt, der all ihre Stärken beinhaltet. Da ist zunächst „Skinny Love“, das sie allein am Piano vorträgt. Sie singt sanft und doch sehr energisch. Der Set enthält eine Steigerung von dezenter orchestraler Begleitung bis hin zum zweistimmigen „Fire And Rain“, das Birdy im Duett mit einer hohen Background-Stimme präsentiert.

Es gibt 32 Minuten Live-Musik und vier Videos, unter anderem „People Love The People“, das in sentimentalen Bildern die Armut Londons zeigt. Eine wertige Neuauflage für die melancholische Jahreszeit.