Black Sabbath „13“ – Die heilige Vierfaltigkeit des Rock!

VERÖFFENTLICHUNG» 07.06.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
Black Sabbath 13 bei Amazon bestellen

Den Versuch, die bisherige Karriere von Black Sabbath in irgendeinen größeren Zusammenhang einzuordnen, spare ich mir. Wo soll man da anfangen? Und wo aufhören? Alleine die Liste derjenigen, die seit dem legendären Doppel-Debüt mit „Black Sabbath“ und „Paranoid“ von 1970 Teil der Bandbesetzung waren, liest sich wie ein Who Is Who des Heavy Metal: Ian Gillan, Glenn Hughes, Cozy Powell oder Ronnie James Dio, um mal einige wenige zu nennen. Die einzige Konstante in den vergangenen 43 Jahren war stets Gitarrist Tony Iommi. Fakt ist: Mit über 70 Millionen verkaufter Alben weltweit, 13 Grammy Awards und einem Platz in der Rock’N’Roll Hall Of Fame sind Black Sabbath zweifellos eine der einflussreichsten Metalbands seit dem Beginn der musikalischen Zeitrechnung.

Es ist wohl lediglich eine witzige Fußnote der Geschichte, dass die Band ausgerechnet zum traditionellen Auftakt des rheinischen Karnevals am 11.11.2011 ihre Reunion und 35 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Studioalbum „Never Say Die!“ tatsächlich ein neues Werk in Originalbesetzung ankündigte. Anderthalb Jahre später muss man vor „in Originalbesetzung“ ein „fast“ setzen, denn mittlerweile hat Ur-Drummer Bill Ward schon wieder die Biege gemacht. Für ihn sitzt Brad Wilk (Rage Against The Machine) hinter der Schießbude. Ansonsten aber sind sie wieder vereint: Ozzy Osbourne, Bassist Geezer Butler und der trotz zwischenzeitlicher Krebserkrankung unverwüstliche Tony Iommi. Das mit fast atemloser Spannung erwartete und von einem nahezu biblischen medialen Hype begleitete Album trägt den treffenden, jedoch leicht einfallslosen Titel „13“ und wurde von niemand Geringerem als Rick Rubin produziert, einer bekanntlich hochangesehenen Koryphäe auf seinem Gebiet. Laut eigener Aussage war es dessen Anspruch nicht weniger als „das beste Black Sabbath-Album aller Zeiten“ abzuliefern.

Wir haben es hier mit der Standard Version von „13“ zu tun, die acht Songs und eine beachtliche Spieldauer von fast 60 Minuten bietet. In der Deluxe Edition gibt es noch drei weitere Stücke obendrauf. Alle, die sich im Vorfeld der Veröffentlichung halb spöttisch auf ein bemitleidenswertes Alterswerk eingeschossen hatten, werden nach dieser einen Stunde kaum noch sitzen können, so sehr dürfte „13“ für sie einem kräftigen Tritt in den selbstherrlichen Arsch gleichkommen. Es gibt Alben, die GLAUBEN mächtig wichtig zu sein. Andere werden irgendwann ganz von selbst wichtig. Und dann wiederum gibt es Alben, von denen man hofft, dass sie einfach wichtig SIND. „13“ zählt definitiv zur letzten Kategorie. Es ist dieser Band würdig! Black Sabbath hätten es sich einfach machen und dem Massengeschmack anbiedern können. Stattdessen erwecken sie das Monster wieder zum Leben, das sie vor über vier Jahrzehnten geboren haben. „Back To The Roots“ lautet ihr Motto und im Ergebnis ist daraus ein dunkler, alle schlechten Kopien und selbsternannten Erben verschlingender Moloch aus Doom Metal, Heavy Metal und Hardrock geworden.

Zum Einstieg gibt es gleich die erste fetttriefende Rifffolge. „End Of The Beginning“ klingt zunächst ein bißchen nach Ozzy Osbourne’s Herzschrittmacher, bevor Tony Iommi das Stück einmal quer durch den Fleischwolf gniedelt. „Is this the end of the beginning or the beginning of the end?“, fragt der singende „Fürst der Finsternis“. Alles auf Restart, lautet die Antwort. Die erste Single „God Is Dead“ ist danach mit 8 Minuten und 59 Sekunden alles andere als formatradiotauglich. Is God really dead? Nein, er hört auf die Namen Osbourne, Butler, Iommi und Wilk. Die heilige Vierfaltigkeit des Rock! Es folgt das brodelnde „Loner“. Tony Iommi spielt jetzt im Windkanal weiter. Zwischendurch verteilen Black Sabbath eine Prise „Zeitgeist“ und ein paar Blumenkränze, bevor es mit dem zuerst etwas träge vor sich hin stampfenden, nach hinten raus jedoch explosiv davongaloppierenden „Age Of Reason“ weitergeht. Tony Iommi? Im Himmel angekommen. „Live Forever“ ist dann die beste einer insgesamt überraschend starken Gesangsleistung von Ozzy Osbourne und spätestens zu „Damaged Soul“ stecken wir alle wieder tief in den 70er Jahren, als Ozzy auf der Bühne angeblich noch Tieren den Kopf abbiss. Abschließend heisst es „Bäuche einziehen“, denn der Closer „Dear Father“ ist nochmal ein amtliches Brett, halb Hymne und halb Kracher, das die vier Urgewalten wie kleine Jungs durch die Gegend hüpfen lässt. Selbstverständlich rein metaphorisch. Das allerletzte was wir hören ist ein Gewitter und damit mehr als nur ein Sinnbild für das gesamte Album. Um die Brücke zur Neuzeit zu schlagen: „13“ ist für Black Sabbath Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League-Triumph in einem.

Reckt die Hände zum Mano Cornuta! Die Legende besagt, dass es der 2010 verstorbene Ronnie James Dio war, der die berühmte Hörner-Geste als erster präsentierte. Der Rest ist Metal-Geschichte. Black Sabbath fügen ihrer eigenen mit „13“ ein weiteres beeindruckendes Kapitel hinzu. Am 30. November könnt ihr Dio beim einzigen Deutschlandkonzert der Band in Dortmund die Ehre erweisen. Karten gibt es… natürlich keine mehr.

[itunesButton][/itunesButton]

[amazonButton][/amazonButton]

1 Trackback / Pingback

  1. Black Sabbath-Zusatzkonzert am 04.12.2013 in Frankfurt – jetzt Tickets sichern! › Musicheadquarter.de - tickets online kaufen, konzertkarten online, konzert tickets kaufen

Kommentare sind deaktiviert.