Blassportgruppe – Back In Blech: Blasmusik jenseits von Musikantenstadl und Oktoberfest

VERÖFFENTLICHUNG» 14.06.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Es hat sich was geändert bei der Blassportgruppe (kurz: BSG). Zunächst einmal hat man den Zusatz „Südwest“ aus dem Namen gestrichen, dann gibt es mit Patrick Kukwa einen neuen Vokalisten, der bei allen Stücken mitwirkt, und man konzentriert sich wieder auf Coverversionen anstatt eigene Stücke zu schreiben.

Geblieben ist aber die mitreißende Musik der zehnköpfigen Truppe. Stilistisch lehnt man sich deutlich an die marschierenden Bands aus New Orleans an. So gibt es auch keine herkömmliche Volksmusik, sondern ein im Jazz und Punk verankertes Songgerüst zu hören. Und für das neue Album „Back In Blech“ ist der Sound noch um einiges rockiger geworden. Kein Wunder – wenn man den Titel beim erfolgreichsten Hardrockalbum der Geschichte entlehnt.

Was die Blassportgruppe ausmacht, sind diesmal ganz klar die originellen Texte, die man für die Coversongs geschrieben hat. Jessie Js „Domino“ heißt jetzt „Sowieso“ und ist quasi eine Art selbstironisches Bewerbungsschreiben der Band. Mit der Erläuterung, warum sie nicht im Radio gespielt werden, verbinden die Musiker eine Zusammenschau ihrer größten Stärken – bis hin zum ausufernden Instrumentalpart.

Überhaupt sagen mir die Arrangements von Felix Fromm sehr zu. Sie lassen jeden Song auch instrumental hervorragend funktionieren. „Give It Away“ von den Red Hot Chili Peppers und Soundgardens „Black Hole Sun“, beide mit Originaltext vorgetragen – ganz groß im Bläserstil! Ich bin nun wahrlich kein großer Fan von Blasmusik, doch hier wird hohe Kunst weit abseits des Musikantenstadls geboten.

Die Comedy-Texte sind das Sahnehäubchen des Programms. Zu „Crosstown Traffic“ von Jimi Hendrix singt man vom obercoolen „Muttersöhnchen“, ein Backstreet Boys-Medley begleitet den Bewegungslegastheniker „Körperklaus“ und Tears for Fears erklingen neuerdings „Laut“ („Shout“). Oft dauert es einige Zeit, bis man das Original erkennt. Ganz einfach ist es aber bei meinem Lieblingstitel des Albums: „Feuerwerk“, das im euphorischen Stil von Katy Perry ordentlich abgeht. Und der rockige Höhepunkt ist „Jenny“ mit Versatzstücken von AC/DCs „Whole Lotta Rosie“.

Die BSG legt in ihren zehn neuen Stücken ein harmonisches Powerplay an den Tag. Das macht Laune und könnte auch Menschen für Blasmusik begeistern, die sonst einen hohen Bogen um das heimische Festzelt machen (vor allem im Oktober).