Blumentopf fordern „Nieder mit der GbR“

VERÖFFENTLICHUNG» 21.09.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Das Warten hat ein Ende, endlich gibt es wieder Studentenrap auf die Ohren! Das ist in keiner Weise negativ gemeint, vielmehr freut man sich auf intelligente, witzige Texte, mit teils aufwendigen, teils simplen Beats, teils ernsten, teils witzigen Themen. Der Kenner weiß von wem die Rede ist: Blumentopf sind wieder da mit ihrem siebten Werk „Nieder mit der GbR“.

Flott rotiert die Scheibe, als der Opener „Antihelden“ aus den Boxen des CD-Players ballert. Ein Song, perfekt geeignet zum Auflegen kurz bevor es auf die Piste geht und zeitgleich wohl der Opener zukünftiger Konzerte. Verdrängte Gedanken an ihre Blaskapellen-EP „Fenster zum Berg“ kommen hingegen bei „Kein Schu draus“ auf, was im Vergleich zu den meisten Stücken des Neulings ziemlich untergeht. „Bin dann mal weg“ besitzt auf jeden Fall die perfekte Voraussetzung zur ersten Single-Auskopplung. In dem Song wird ein lyrisches Ich ohne Perspektive und soziales Umfeld beschrieben und wie es versucht sein Leben in den Griff zu bekommen. Im Anschluss ist anscheinend die Steinzeit auf ein Neues ausgebrochen: „Alles im Lot“ (herrlich zynisch) und „World On Fire“ erinnern sehr an die alten Zeiten, an die richtigen Hochzeiten der Töpfe. Der Höhepunkt der Unterhaltsamkeit bietet „Schwarzes Gold“, in dem es um den Konsum von Kaffee geht. Dazu nur soviel: „Ich sorg für Kaffeeklatsch, weil ich dich für Kaffee klatsch“.

Trotzdem hat das Album auch seine Schwächen: Die „Uh Uhs“ bei „Affentanz“ erinnern mehr an eine schlechte B-Seite von Peter Fox’s Debütalbum „Alles neu“. Und dann ist da noch „Supermänner“… Löblich, dass man auch Features mit Bands wie den Sportfreunden Stiller probiert. Leider geht der Schuss komplett nach hinten los. Vor allem der Refrain grenzt an penetrante Kindergartenmusik. Da kann man selbst meine vorhandenen Vorurteile gegenüber den Sportis außen vor lassen. Zum Glück sind dies die einzigen beiden Fehlgriffe.

Irgendwie ist es lustig, dass alle Bands den besten Song des Albums immer für das Ende aufbewahren. „Blattgold auf Anthrazit“ strotzt vor Monogamie. Das ist aber durchaus erlaubt, gar erwünscht, wenn man dieses schwieriges Thema so eloquent und differenziert behandeln kann wie der Vierer aus Freising. Ganz klar ist das Letzte Lied von „Nieder mit der GbR“ eines der besten Lieder ihrer gesamten Karriere. Natürlich aus subjektiver Sicht gesprochen.

Nichtsdestotrotz: „Nieder mit der GbR“ ist um Längen besser als „Wir“. Facettenreichtum, Wortwitz, alles gepaart mit aktuellen Themen, sodass auch die Ernsthaftigkeit nicht zu kurz kommt. Blumentopf sind zurück – und wie!