Boy George erklärt uns, was er nun tut – mit melodischen Nummern, als kämen sie aus den 70ern

VERÖFFENTLICHUNG» 24.01.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Boy George – wem klingeln da nicht die Ohren, wenn er diesen Namen hört? Hits wie „Do You Really Want To Heart Me“ und „Karma Chameleon“ sind Teil unserer musikalischen Biographie. Ob wir wollen oder nicht. Zu späteren Zeiten waren die Schlagzeilen, die wir von George Alan O’Dowd (so heißt der Gute mit vollständigem Namen) zu hören bekamen eher negativ: Drogensucht, sexuelle Eskapaden, kurze Gefängnisstrafen. Was man halt so hört von Stars, die mit Gewalt ins Rampenlicht zurück wollen. Doch auch musikalisch gab es noch erfolgreiche Eckpunkte nach Auflösung der Band Culture Club. Halbwegs respektable Soloalben, Filmmusik und ein überaus erfolgreiches Musical im Londoner West End.

Dennoch kommt es wie ein Donnerschlag, dass sich Boy George dieser Tage zurück meldet. „This Is What I Do“ nennt er sein Album, damit auch der letzte Ignorant weiß, um was es ihm geht. Er will den anderen Boy George zeigen. Den emotionalen, souligen, der so gar nichts gemein hat mit dem extravaganten Paradiesvogel der 80er Jahre. Stimmlich war er schon damals eine Wucht. Heute hört sich das altersgemäß tiefer an. Boy George hat eine sehr sonore Stimme und das gibt den Vocals stellenweise einen rauchigen, verlebten Charakter.

Die Songauswahl weiß zu gefallen. Country Swing Nummern wie „It’s Easy“, das rockige „My God“ , Reggae-Feeling mit „My Star“, aber auch gefühlvolle Nummern wie „Live Your Life“ als persönliches Statement und die Ballade „King Of Everything“. Die Texte sind oft autobiographisch und geben Hinweise zu den Einflüssen auf sein Leben. Mit „Death Of Samantha“ covert Boy George gar einen Titel von Yoko Ono. Übrig gebliebene Fans aus den 80ern werden eventuell die Stirn runzeln, doch ich muss sagen: Das Album macht Laune und kommt äußerst entspannt aus dem Player.

Ich komme nicht umhin, Boy George ob seines Durchhaltevermögens zu bewundern. Zumindest hat er es nicht nötig, in Zweite-Chance-Shows oder Kirmeszelten zu versauern. Er macht sein Ding, wie er es schon immer getan hat. Selbstbewusst und künstlerisch stark. „Es war einfach, das Album zu machen“, sagt er selbst, „denn da steckt viel Liebe drin. Wir gingen zurück in die 70er, den diese Zeit hat mich als Musiker und als Menschen geprägt.“ Eine gute Wahl, denn auf diese Weise hat er sein Repertoire deutlich ausgedehnt und zeigt nicht nur stimmlich sein wahres Ich.

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