Britney Spears nennt sich „Britney Jean“ und zeigt ihre brave Seite

VERÖFFENTLICHUNG» 29.11.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Ich muss schon sagen: recht überraschend, was Britney Spears hier als „Britney Jean“ unters Volk bringt. Irgendwann muss ihr ein Vögelchen gezwitschert haben, dass sie gerne mal wieder selbstbewusst auftreten und ein Album veröffentlichen darf, ohne vorher mit inszenierten Skandälchen für Aufruhr zu sorgen. So ist ihr dann auch mit dem achten Album ein ordentliches Statement gelungen.

Zwei Jahre hat sie sich nach „Femme Fatale“ Zeit gelassen um ihr – wie sie selbst sagt – bisher persönlichstes Werk auf die Fans loszulassen. Das beginnt beim Titel (denn „Britney Jean“ ist der Spitzname, den ihre engsten Freunde und Verwandten ihr gegeben haben) und wird fortgesetzt in einem netten Booklet mit unspektakulären Porträtfotos, einer Reihe ganz privater Aufnahmen aus ihrem Leben und handgeschriebenen Textschnippseln. Sex’n’Crime gehören somit vorerst der Vergangenheit an.

Mit im Produzentenboot waren Sia Furler, William Orbit und will.I.am dabei. Die beiden bisher veröffentlichten Singles sind da schon symptomatisch. „Work Bitch“ zeigt die Britney der Vergangenheit mit dancelastigen, elektronischen Momenten. Das muss man nicht unbedingt haben, denn dafür sind inzwischen Lady Gaga und Katy Perry zuständig. Dann aber „Perfume“ – ein wundervoller Titel mit tiefer textlicher Bedeutung und einer Ausrichtung, die Britneys Stimme perfekt zur Geltung kommen lässt. So gefällt das – und wird im „Dreaming Mix“ des Songs nochmal gesteigert.

Alles in allem ist die Mischung sehr ausgewogen. Da gibt es die R’n’B-Anleihen bei „Tik Tik Boom“, das schwesterlich herzige Mädels-Geflüster „Chillin‘ With You“, die Ballade „Don’t Cry“, die poppigen „Passenger“ und „Alien“ sowie natürlich astreine Tanzflächenburner wie „Body Ache“. Insgesamt überwiegt diesmal Britneys gefühlvolle Seite, vor allem wenn man die Tracks der Deluxe Edition mit hinzu zählt. Und daran tut sie wirklich gut.

Leider steht zu befürchten, dass das neue Album ohne Skandalnudel-Gehabe weniger erfolgreich sein wird als die Vorgänger, weil das Boulevard nichts zu lästern hat. Aber davon sollte sie sich nicht beirren lassen und ihren Weg konsequent weiter gehen. Das könnte wegweisend für das inzwischen so öde Pop-Business sein.

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