Bundesvision Song Contest 2014: Der Sampler zum TV-Ereignis

VERÖFFENTLICHUNG» 19.09.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
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Auch bei seiner zehnten Auflage funktioniert Raabs „Bundesvision Song Contest“ noch als aktuelle Bestandsaufnahme des deutschsprachigen Musikgeschehens. Die Idee ist ganz einfach und schamlos beim Eurovisions-Geschehen abgekupfert: die 16 Bundesländer nominieren in Verbindung mit regionalen Radiosendern jeweils den Song eines Interpreten, der bestenfalls aus dem Land stammt oder zumindest in irgendeiner Verbindung mit ihm steht (zum Beispiel dort studiert hat – gab es auch schon).

Auch wenn Stefan Raab heute bei jeder Gelegenheit betont, dass der BSC nie als Parodie auf den ESC gedacht, sondern schon bei seiner Initiierung im Februar 2005 eine ernstgemeinte Idee zur Förderung deutschen Liedgutes war, so wissen wir doch, dass das nicht stimmt. Das Kölner Multitalent und seine maßgeschneiderte Show „TV total“ leben nun mal von den satirischen und ironischen Elementen, seien es der Castingwettkampf SSDSDSSWEMUGABRTLAD in Anlehnung an DSDS (wobei Raab und Konsorten um einiges fairer mit den Kandidaten umgingen als das Original), Sportwettkämpfe wie Wok-WM, Turmspringen und Stockcar-Rennen sowie die innovativste Samstagabend-Show seit langem, „Schlag den Raab“, die letztlich aus der satirischen Dokureihe „Raab in Gefahr“ hervorgegangen ist.

Wie auch immer hat sich der Bundesvision Song Contest in den zehn Jahren seines Bestehens zu einer ernst zu nehmenden Musiksendung entwickelt, die in punkto Qualität dem europäischen Pendant zumindest in Deutschland längst den Rang abgelaufen hat. Und wenn man sich dann alle Sampler anschaut, die seit 2005 bei Polystar erschienen sind und die vertretenen Songtitel auf sich vereinen, ist da wirklich die Crème de la Crème der Szene vertreten und man kann sich ein Bild davon Verschaffen, was im jeweiligen Jahr gerade so angesagt war. Vor allem Konsens-Künstler wie Juli, Peter Fox, Unheilig oder (ganz aktuell) Andreas Bourani fanden hier eine Plattform zur Verbreitung neuer Songtitel, die die Flamme im Nachgang zum aktuellen Charthit weiter am brennen halten sollten.

Womit wir bei den aktuellen Mitstreitern und ihren Songs wären. Mein Favorit Andreas Bourani ist mit seiner wunderschönen, an Philipp Poisel angelehnten Ballade „Auf anderen Wegen“ nur auf Platz 6 gelandet. Ob es damit zusammen hing, dass er für Bayern angetreten ist? Der Freistaat hat in anderen Bundesländern doch generell einen schlechten Stand. Revolverheld landeten aber verdient auf 1. Das kam nicht unerwartet. Und der zweite Platz von Jupiter Jones mit neuem Sänger machte mich glücklich. Endlich eine Band aus meiner Heimat Rheinland-Pfalz, für die man sich nicht schämen muss.

Größte Überraschung war dann meiner Meinung nach Platz Nummer 3 für Teesy. Wer hatte den Rapper vom Chimperator-Label, der hier mit deutschem R’n’B glänzte, ernsthaft auf der Rechnung? Alles andere zwischen Indie-Rock und HipHop war ziemlich absehbar. Auch die Tatsache, dass das Publikum der wundervollen Miss Platnum und ihrer Abfeier-Hymne „Hüftgold“ samt ungewöhnlicher Instrumentierung nicht das nötige Verständnis entgegen brachte, verwundert nicht ernsthaft.

Zu den Wettbewerbstiteln gesellen sich auf einer Bonus-CD übrigens noch die Siegertitel der Vorjahre. Und wir wissen, dass da fast ausschließlich hochwertiges Material am Start war. Somit ist die Compilation auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung, wenn auch der Reiz etwas vorbei ist, da man das Abschneiden der Bands beim Contest schon kennt.

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