Callejon nennen sich Kallejon, greifen zum Teil tief in die Klamottenkiste und erklären uns: „Man spricht deutsch“

VERÖFFENTLICHUNG» 11.01.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Zu kurzzeitiger medialer Berühmtheit brachten es Callejon kürzlich, als sie ein Konzert in der Kölner Live Music Hall abbrechen mussten, weil Deckenteile auf die Zuschauer herab stürzten. Immerhin schafften sie es wohl, die Zuschauer ohne Panik aus der Halle zu bitten, und sorgten dafür, dass der Vorfall ohne Verletzte blieb.

Damals war die Metalcore-Band noch auf „Blitzkreuz“-Tour. Das dazu gehörige Album erschien erst im Juni 2012. Gerade mal sieben Monate später gibt es einen Nachfolger, der ausschließlich aus Coverversionen bekannter deutscher Hits besteht. Bezeichnenderweise mit dem Titel „Man spricht deutsch“ und das „C“ im Bandnamen wurde kurzerhand durch ein „K“ überpinselt. Damit aber keiner falsche Schlüsse daraus zieht, klebt ein fetter „Nazis raus!“-Aufkleber auf der Hülle. Wäre aber gar nicht nötig gewesen. Wer sieht, dass der erste Titel in der Tracklist „Schrei nach Liebe“ lautet, von den Ärzten stammt und im Verbund mit Bela B. dargebracht wird, weiß sowieso Bescheid.

Ich verspreche, dass man jeden der elf Titel kennen wird, der hier neu eingespielt wird. Vom Hinhören oder Weghören. Peter Fox‘ „Alles neu“ ist dabei, Tokio Hotels unsägliches „Durch den Monsun“, Tic Tac Toes ungewollt selbstironischer Titel „Ich find dich scheiße“ – selbst Sido („Mein Block“) und die Prinzen („Alles nur geklaut“) sind vertreten. Das nenn ich mal Rundumschlag.

Fette Gitarrenriffs und aggressive Vocals scheinen zu jedem Song zu passen und geben ihm zum Teil eine neue Richtung. „Hier kommt Alex“ und „Alles neu“ klingen eindringlicher und wutentbrannter als die Originale, der sozialkritische Moment in „Schwule Mädchen“ kommt noch deutlicher zum Ausdruck und „Major Tom“ hat sich im Chor gegrölt sowieso immer besser angehört als in der NDW-Version.

Eins ist sicher: Das Experiment hätte schwer ins Auge gehen können. Besonders, wenn  man sich die Liste der Songs anschaut. Doch Callejon liefern hier tatsächlich elf gelungene Coverversionen und machen sich die Songs komplett zu Eigen. Wie schreiben sie den Bandnamen jetzt? „Mit K wie Krawall“. Wer weiß, was ihn erwartet, wird sich an diesem Album hoch erfreuen können.