Céline Dion präsentiert ihr aktuelles Werk „Sans Attendre“ in ihrer Muttersprache und in zauberhafter Verpackung

VERÖFFENTLICHUNG» 02.11.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Die Franko-Kanadierin Céline Dion verdankt ihren internationalen Erfolg hauptsächlich englischsprachigen Hits  wie „Think Twice“, „All By Myself“ und „My Heart Will Go On“. Immer wieder hat sie aber auch Alben in ihrer Muttersprache Französisch veröffentlicht. Diese Tradition setzt sie nun mit ihrem aktuellen Album „Sans Attendre“ fort, mit dem sie sich nach 5 Jahren Pause im Plattengeschäft zurück meldet.   Ich bin nun weder ein großer Fan von Céline Dion, noch von französischsprachiger Musik, doch dieses Album fasziniert schon alleine durch seine Aufmachung. Die zauberhaften Illustrationen von Aurore d´Estaing auf dem Cover setzen sich im Booklet fort, und als besonderen Bonus enthält das Digipack einen kleinen Tischkalender für 2013. Da punktet „Sans Attendre“ bei mir schon, bevor ich überhaupt einen Ton der CD gehört habe.

Wird nun aber der musikalische Inhalt der schönen Verpackung gerecht? Enttäuscht wird jedenfalls, wer aufgrund der französischen Sprache ein Album voller melancholischer Chansons erwartet hat. „Sans Attendre“ zeigt sich stilistisch sehr vielseitig, mal voll rockiger Power wie in „Qui peut vivre sans amour?“, mal gefühlvoll wie in „Celle qui m´a tout appris“. Und ein bisschen Chanson gibt es zwischendurch dann auch, etwa mit dem nachdenklichen „La mer et l´enfant“ oder Célines engagierter Interpretation des berühmten „Ne me quitter pas“.

Die Sängerin präsentiert sich thematisch als reife Frau mitten im Leben und in verschieden Rollen als Mutter, Geliebte, Freundin oder Tochter. So widmet sie die Single „Parler à mon pére“ ihrem verstorbenen Vater, sinniert in „Je n´ai besoin d´amour“ über die Notwendigkeit der Liebe oder beweist mit dem wunderbar verspielten „Moi quand je pleure“, das Tränen zu den effektivsten Waffen einer Frau gehören. Für drei Titel hat Céline Duettpartner ins Studio geladen. Besonders überzeugt dabei die kraftvolle Ballade „L´amour peut prendre froid“ mit Jonny Hollyday. Mein persönliches Highlight ist allerdings das berührende und sehr mütterliche Wiegenlied „Les petits pieds de Léa“.

Mich bestärkt dieses Album in der Auffassung, dass man einen Künstler niemals nur nach seinen Hits beurteilen sollte. Mit „Sans Attendre“ hat mich Céline Dion jedenfalls nachhaltiger erreicht als mit all ihren Radio-Singles, obwohl oder vielleicht gerade weil sie hier in ihrer Muttersprache singt. Wer sie trotzdem lieber englisch singen hört, darf sich auf ihr demnächst erscheinendes Album „Water And The Flame“ freuen.