Chris Robinson Brotherhood öffnen „The Magic Door“

VERÖFFENTLICHUNG» 14.09.2012
BEWERTUNG» 6 / 9
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Es ist gerade mal drei Monate her, da erschien mit „Big Moon Ritual“ das Debüt der Chris Robinson Brotherhood. Es enthielt sieben Songs, in denen das Quintett um den Ex-Black Crowes Sänger Chris Robinson neue Maßstäbe in Sachen Spielfreude setzte. Derart entspannt und von jeglichen künstlerischen Fesseln befreit haben sich zuletzt die Kollegen von Grateful Dead durch den Folk-, Blues- und Psychedelic Rock musiziert. Entsprechend gross waren sowohl die Spannung auf als auch die Erwartungen an den Nachfolger und erfreulicherweise lässt uns die Band nicht lange warten. „The Magic Door“ umfasst erneut sieben Songs (darunter ein Cover, „Let’s Go, Let’s Go, Let’s Go“ von Hank Ballard), kann mit der Qualität von „Big Moon Ritual“ jedoch leider nicht Schritt halten. Das liegt weniger an der handwerklichen Klasse von Adam MacDougall (Keyboards), Drummer George Sluppick, Mark Dutton am Bass, Gitarrist Neal Casal oder den gewohnt dahingekrächzten Vocals von Chris Robinson, als vielmehr daran, dass es dem Album schlicht an der Leichtigkeit fehlt, die den Vorgänger noch auszeichnete.

Natürlich hat auch „The Magic Door“ solche Momente, die unsere Eltern früher als „Kiffermusik“ bezeichneten. In „Vibration & Light Suite“ blitzen sie auf. Zwar darf Hank Ballard das Ganze noch mit seinem wunderbaren Bluesstampfer eröffnen und die Band sich daran austoben, doch der überwiegende Rest der 51 Minuten Gesamtlaufzeit klingt seltsam bemüht. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass Chris Robinson Brotherhood ihren Fokus in den neuen Songs eindeutig auf die melancholische Seite des Blues legen und sich damit ein Stück weit ihrer beim ersten Album noch so beeindruckenden Frische berauben. „Someday Past The Sunset“, „Little Lizzie Mae“ oder das schon erwähnte „Vibration & Light Suite“ bilden da eher die Ausnahme von der Regel. Dagegen steht mit „Appaloosa“, „Sorrows Of A Blue Eyed Liar“ und „Wheel Don’t Roll“ eine Menge Bedrücktheit, Wehmut und Trauer. Teilweise wird das vom erneut überragenden Artwork (diesmal von Alan Forbes) noch wettgemacht, ist für meinen Geschmack insgesamt aber deutlich zuviel der emotionalen Schwere.

Vielleicht ist genau das aber auch gewollt, firmiert „The Magic Door“ bandintern doch als „Ergänzungsalbum“ (!) zu „Big Moon Ritual“. Quasi entsprechend dem rheinischen Motto „Von Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt“. Sollte dem so sein, dann verbuchen wir dieses Review einfach als Jammern auf hohem Niveau und jeder wählt für sich das Album, welches am besten zu seiner momentanen Stimmungslage passt. Was Chris Robinson Brotherhood selbst angeht: Wer es sich leisten kann, in einem Song zwei Minuten lang nur das Meer rauschen, die Möwen kreischen und die Bienen summen zu lassen, der hat sowieso nichts mehr zu verlieren. Oder schon alles gewonnen. Auch das dürft ihr euch aussuchen.