Chris Shiflett & The Dead Peasants „All Hat And No Cattle“ – das zweite Side-Project des Foo Fighters-Gitarristen überzeugt mit totaler Hingabe

VERÖFFENTLICHUNG» 02.08.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Wenn die Karriere der eigenen Band so geschmiert läuft wie die berühmte Schmitz‘ Katze (hat die eigentlich mal jemand gesehen?), dann suchen sich Musiker gerne ein alternatives Betätigungsfeld. Im Fachjargon nennt man sowas Side-Project. Sei es aus reinem Spaß an der Freude oder zur künstlerischen Selbstverwirklichung. Das kann gut gehen, wie bei Them Crooked Vultures, einem der zahlreichen Nebenprojekte des Queens Of The Stone Age-Frontmannes Josh Homme. Das kann aber auch zum Griff ins Klo werden, wie im Falle von Paul McCartney’s The Fireman. Für beide Varianten ließen sich beliebig viele weitere Beispiele finden.

Chris Shiflett, seines Zeichens hauptberuflicher Gitarrist bei den Foo Fighters, hat mit Jackson United bereits eine Nebenbeschäftigung nach nur einer EP und zwei Alben wieder auf Eis gelegt. 2010 startete er mit The Dead Peasants und dem gleichnamigen Debüt einen zweiten Anlauf. Ohne seine Rock- und Punkwurzeln zu verleugnen, ließ er dabei seiner heimlichen Liebe zu Country, Rockabilly und Americana freien Lauf. Und er begann zu singen. Während der „Wasting Light“-Tour mit den Foo Fighters kam ihm dann die Idee zu „All Hat And No Cattle“, dem zweiten Album in der Dead Peasants-Besetzung. Zu dieser gehören neben Shiflett noch Jeff Gross am Bass, Gitarrist Luke Tierney, Schlagzeuger Mitch Marine, Marty Rifkin (Pedal Steel) sowie Derek Silverman am Keyboard. Alles alte Freunde, wie er uns kürzlich in einem Interview verriet, das ihr demnächst hier in voller Länge lesen könnt.

Dieses Sixpack traf sich schließlich im bekannten Studio 606 in Los Angeles und spielte die zehn Stücke für „All Hat And No Cattle“ ausnahmslos live ein. Im Gegensatz zum Erstlingswerk handelt es sich dabei – bis auf das von Shiflett geschriebene „A Woman Like You“ – um reine Coversongs. Ihr spürbarer Enthusiasmus gibt den Neuinterpretationen jede Menge Frische und macht das Album zu einer echten Gute Laune-Platte. Mit den Foo Fighters hat das natürlich nichts zu tun. Schon das Albumcover weist deutlich den Weg. Hier geht es erneut um Country und Rockabilly, aber selbst diejenigen (wie ich), die damit normalerweise wenig bis gar nichts anfangen können, werden ihre Perlen finden.

Dazu gehört etwa der Opener „Guitar Pickin‘ Man“ (im Original von Don Rich And The Buckaroos). Oder die ploppende Bierflasche in „Pop A Top“ (Jim Ed Brown). Zwischendurch tanzt Charlie Chaplin durch’s Bild („Skid Row“ von Merle Haggard) und es wird auch mal eine Spur langsamer wie in Wynn Stewart’s „Happy Part Of Town“. Den eigentlichen Höhepunkt haben sich Chris Shiflett & The Dead Peasants jedoch ganz bis zum Schluß aufgehoben. Das Waylon Jennings-Cover „Are You Sure Hank Done It This Way?“ ist ein mit Piano und Bläsern in die Moderne übertragenes Stück grossartiger Rockmusik.

Wenn man in solch musikalischen Sphären schwebt wie die Foo Fighters, dann muss man sich wahrscheinlich ab und zu mal erden, um nicht vollständig abzuheben. Chris Shiflett tut dies mit The Dead Peasants. Dahinter steckt der Gedanke, dass man sich, um zu wissen wo man hin will, immer wieder bewußt machen sollte, wo man her kommt. Deshalb ist „All Hat And No Cattle“ auch viel mehr als „nur“ ein überaus gelungenes Side-Project. Das Album ist der hörbare Beweis dafür, dass gute Musik egal welcher Art nicht viel mehr braucht als totale Hingabe.