Chuck Ragan – „Live At Skaters Palace“ / Wie gut will der denn noch werden?!

VERÖFFENTLICHUNG» 31.01.2014
BEWERTUNG» 9 / 9
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Das Schöne an einem Live-Album sind die einzigartigen Momente, die bei einem Konzert eingefangen werden: Ungeschnitten, unberührt und so echt und authentisch wie das wahre Leben. Diese Momente kann man zwischen abwechselnden Gesängen von Künstler und Publikum, humorvolle Ansagen und auch musikalischen Variationen finden. Solche Situationen, ungeschönt und mit Ecken und Kanten, machen die großen Live-Platten aus.

Ein schönes Beispiel sind Johnny Cashs aufgenommene Konzerte in San Quentin und Folsom Prison: Erinnern wir uns kurz an die frenetischen Jubelschreie der Insassen bei den Worten „San Quentin, may you rot and burn in hell“ oder als er einen Song, geschrieben von einem Gefängnisinsassen, spielte, der im Publikum anwesend war.

Was nun zum wiederholten Male aus den Boxen dröhnt, ist zwar schwer vergleichbar mit dem alten Lehrmeister Cash, zumal Chuck Ragan, alias „the nicest guy in punkrock“, vor einem verhältnismäßig normalen Publikum spielt. Dennoch brüllt er auf „Live At Skaters Palace“ dem Münsteraner Publikum mit so viel Inbrunst und Leidenschaft seine Lebensweisheiten entgegen, als wollte er das Album unsterblich machen.

Jubelrufe ertönen aus den Boxen als er, samt seiner Gefolgsleute die Bühne die heilige Skatehalle betritt. „It’s always a pleasure to be back in Munster“ ertönt es vom Mann mit der Reibeisenstimme. Bereits bei den ersten Akkorden von „For Goodness Sake“, gefolgt von „It’s What You Will“ ist das Publikum dabei. Mit „Bedroll Lullaby“ verirrt sich sogar ein Song seines neuen Albums „Till Midnight“ in die Setlist. Für unnachahmbare Gänsehautmomente sorgt vor allem „Nothing Left To Prove“, wo sich das Publikum und Mr. Ragan gegenseitig „Say what you want, I don’t mind“ – Sprechchöre um die Ohren hauen. Nach der ersten Hälfte des Konzerts ist der Fall eindeutig: Genau so und nicht anders muss ein Live-Album klingen. Intensität, Atmosphäre, starke und authentische Ansagen und eine gute Songauswahl – alles mit von der Partie.

Ein weiteres Musikerlebnis, ist der Hot Water Music-Song „Drag My Body“, in dem Ragan ein weiteres Mal mit seiner Stimme, die einer Dampfwalze gleicht, das Publikum plättet. „For Broken Ears“ beendet das Mainset, aber nicht diese Situationen, von denen man denkt: „Verdammt, warum bist du nicht dort dabei gewesen?“. „Meet You In The Middle“, „The Boat” und „California Burritos“ sichern dem Album die volle Punktzahl.

Dass es lediglich eine limitierte Auflage dieses Live-Albums gibt, ist eine wahre Schande, für die man fast wieder einen Punkt aus Protest abziehen müsste. Schon jetzt legt Chuck Ragan die Messlatte für die nächsten Live-Alben des Jahres eigentlich uneinholbar hoch.

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