CIRCA – Live From Here There & Everywhere: Das Live Album einer Progressive Rock Supergroup

VERÖFFENTLICHUNG» 24.05.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Immer mal wieder gibt es Bands im Progressive Rock, die die guten alten Zeiten aufleben lassen wollen. Sogenannte Supergroups sind hier wirklich inflationär. Dazu gehört auch Circa, eine Rockband die 2007 von Billy Sherwood und Tony Kaye gegründet wurde. Beide waren früher bei YES. Zum Original Lineup von Circa gehörten zudem YES Drummer Alan White und Gitarrist Jimmy Haun. Das aktuelle Lineup besteht neben Sherwood und Kaye aus Rick Tierney am Bass und Scott Connor an den Drums, nachdem Alan White die Band wieder verlassen hat, um sich gänzlich wieder YES zu widmen.

Die Truppe ist recht aktiv und hat seitdem vier Alben heraus gebracht. Nun schließt sich das erste Livealbum mit dem Titel „Live From Here There & Everywhere“ an. Aus dem Booklet geht ebenso wie aus dem Titel nicht hervor, wo und wann der Mitschnitt entstand. Das ist aber auch obsolet. Die Musik zählt – und die hat es in sich. Kenner schauen auf die Total Running Time: über 73 Minuten. Und das mit acht Songtiteln, die mehrfach die Zehnminutenmarke knacken. Prog-Herzen schlagen höher!

Musikalisch finden sich Anleihen beim Prog der 70er Jahre und beim Neoprog der 80er. Das Beste aus zwei Welten sozusagen. Die Keyboards nehmen breiten Raum ein. So sind wir das auch von YES gewohnt, die hier wohl als große Vorbilder gelten müssen. Doch kundige Hörer werden an vielen Stellen auch an Marillion erinnert, beispielsweise bei „True Progress“, dessen Instrumentalpassagen zeitweise wie eine Hommage an „Misplaced Childhood“ klingen.

Sänger Billy Sherwood kann mit einer langen ereignisreichen Geschichte im Progressive Rock Universum aufwarten. Seine stimmlichen Fähigkeiten kommen zwischen den ausschweifenden Soli gut zur Geltung. Und es bleibt bei weitem nicht alles elektronisch und sphärisch. Freunde härterer Klänge dürfen sich auch auf eine gehörige Portion Rockmusik freuen. Allerdings übernimmt Tony Kaye immer wieder das Ruder. Er ist Original-Keyboarder von YES (1968-1971, dann ab 1985) und hat Bestseller-Alben wie „90125“, „Big Generator“ und „Talk“ seinen stilistischen Stempel aufgedrückt. Klanglich beherrscht er auch die Circa-Stücke.

Das Album ist für Freunde der guten alten Prog-Zeiten gut anzuhören. Wem bei Yes, IQ, Marillion und Arena das Wasser im Munde zusammen läuft, der sollte auch Circa ein Ohr gönnen. Das ausschweifende Livealbum ist die beste Gelegenheit dazu.