Clean Bandit mit „New Eyes“ – Popsongs, die die Gegenwart bereichern

VERÖFFENTLICHUNG» 30.05.2014
BEWERTUNG» 8 / 9
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Clean Bandit sind mir ihrer Single „Rather Be“ quasi aus dem Nichts aufgetaucht und eroberten die Single-Charts in Deutschland wie im Flug. Jetzt könnte man meinen, sie seien ein typisches One-hit-wonder und in wenigen Monaten schon den Fluss des Vergessens hinunter gespült. Doch damit würde man verkennen, dass die Band in Großbritannien bereits einige respektable Erfolge aufzuweisen hat, die jetzt erstmals auf einem Album (ihrem Debüt „New Eyes“) zusammen gefasst werden.

Das Album ist äußerst spannend, denn es bietet Einflüsse aus Pop, Klassik, Elektronik und HipHop. Dazu kommen eine große Anzahl überraschender Momente und kleiner Features, die man in dieser Form so gar nicht erwartet hätte. „So you think electronic music is boring? You think it’s stupid? You think it’s repetitive? Well it is repetitive.“ So lautet das Intro zu Clean Bandits erstem Smashhit „Mozart’s House“, mit dem das britische Quartett Anfang letzten Jahres erstmalig in der Welt der Dancemusic auf sich aufmerksam gemacht hat und der jetzt das Album eröffnet. Ein Song, der sich um Welten von herkömmlichen Clubtracks unterscheidet. Mozarts Musik wird dezent und doch allgegenwärtig in den Track eingebaut und man kann nur bewundern, wie eingängig dies in der Gegenwart klingt.

Clean Bandit bestehen aus vier Menschen, die zusammen drei miteinander verflochtene Paarungen ergeben: Zwei Brüder, zwei Kindergartenfreunde und ein Liebespaar, die sich die totale Kontrolle über jedes noch so winzige Detail ihrer Musik und ihrer Videos teilen. Und nicht nur das. Gemeinsam teilt das Quartett eine Geschichte, die sich mittlerweile über vier Jahre spannt. Obwohl man es ihrem ersten Nr. 1-Hit „Rather Be“ nicht wirklich anhören kann, gründete sich der Pop-Meets-Klassik-Vierer in den wissensschwangeren Hallen der weltberühmten Cambridge University. „Irgendwann begannen wir, Beats und Basslines zu unseren kurzen Konzertaufnahmen zu komponieren, um den Leuten etwas ganz Besonderes zu bieten“, erinnert sich Grace.

Heute findet sich dieses Besondere in nahezu jedem Track. „A&E“ beginnt mit einer Streichermelodie, die ich dem Kirchenlied „O Haupt voll Blut und Wunden“ zuordne, verknüpft mit fröhlichen computergenerierten Beats und Klangschnipseln. Ein Kontrast, wie er größer kaum sein könnte. „Telephone Banking“ hingegen bietet dominante Rap-Parts und ein sehr modernes Feeling. Kaum ein Track ähnelt dem anderen – und doch ist das Album durch die verbindenden Elektropop-Elemente und die allgegenwärtigen Streicher durchaus als homogen zu bezeichnen.

Bei der Entdeckung ihrer Sängerinnen folgen Clean Bandit ihrer ganz eigenen Arbeitsmethodik, die sich größtenteils auf glückliche Umstände stützt. Eliza Shadded – zu hören auf „Birch“ – wurde von Jack in East London entdeckt, während sie als Straßenkünstlerin vor einer U-Bahnstation sang. Jess Glynne, die Stimme des Durchbruchsmegahits „Rather Be“, hat mittlerweile ihren eigenen Plattenvertrag bei Atlantic in der Tasche. Love Ssega war schon zu Universitätstagen ein Freund der Band und wird höchstwahrscheinlich in Zukunft noch öfter zum Clean Bandit-Sound beitragen. Jungle- und UK-Garage-Legende Elisabeth Troy ist auf „Heart On Fire“ zu hören und wird neben Florence Rawlings auch live mit auf der Bühne stehen. Ein wundervoller Song übrigens mit smarten und emotionalen Vocals.

Clean Bandit bieten eine famose Schatzkiste für Freunde von Pop und Elektronik. Man muss zwar sagen: Ohne die Streicherparts und die Klassik-Momente wäre das auf Dauer vielleicht belanglos. Denn die Nachhaltigkeit, die ein Ohrwurm namens „Rather Be“ entwickeln kann, braucht ein Album wie „New Eyes“, das in seiner Gesamtheit bestehen wird. Popsongs, die die Gegenwart bereichern.

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