Coppelius veröffentlichen Album No. 5 als „Extrablatt“

VERÖFFENTLICHUNG» 15.02.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Zunächst mal eine negative Anmerkung: Coppelius haben es wieder getan – diesmal sind es gar drei englische Songs, die das aktuelle Album zieren. Vermutlich ein Zeichen dafür, dass die ehrwürdigen Herren in der neuen Welt angekommen sind. Für mich allerdings klingt das sehr befremdlich. Perfekt arrangiert sind die Stücke allemal, doch sie verlieren an Aussagekraft, wenn man die grandiosen Textpassagen nicht auf Anhieb mit vollziehen kann. Ein kluger Schachzug ist allerdings die Neuvertonung des Maiden-Klassikers „Running Free“. Der Song hat definitiv was!

Abgesehen davon ist zum Glück alles beim Alten. Wenn Graf Lindorf (Cello & Gesang), Sissy Voss (Kontrabaß), Max Coppella (Klarinette & Gesang), Comte Caspar (Klarinette und Gesang), Nobusama (Schlagwerk) und Butler Bastille (Gesang & Erledigungen des täglichen Bedarfes) ihre Instrumente in die Hände bekommen, kommt ihr altes Blut in Wallung. Das neue Album der werthen Herren ist ein sehr gepflegtes Stück Musik, dass mit Charakterisierungen wie „Kammercore“ und „Heavy Wood“ mal wieder recht anschaulich beschrieben werden kann. Und im Titel „Extrablatt“ schwingt auch das nötige Quäntchen Sensationsgier mit, das ihr neues Werk erneut zu einem Besonderen macht.

Die spannende Instrumentierung wird oft nur bei genauerem Ohrenspitzen sichtbar. Aber das ist der Reiz der Arrangements: nicht mit dem Holzhammer eingeimpft, sondern ganz subtil, wenn Klarinette und Cello plötzlich die Oberhand gewinnen. Textlich erfreue ich mich an dem gesellschaftskritischen „Welt im Wahn“, an „Bitten Danken Petitieren“ und an der Ballade „Butterblume“. Auch die zweite Coverversion des Albums „Maria“ (Subway To Sally) macht einiges her.

Es ist immer wieder schön anzuhören, was die ungewöhnliche Instrumentierung aus den Songs macht. Hinzu kommen bekanntermaßen die schauspielerische Bühnenshow und die unbändige Spielfreude der Band. Da freut man sich doch auf das nächste Livekonzert – beispielsweise beim „Hexentanz“ in Losheim am See.