Cro stellt die „Melodie“ in den Vordergrund – zweites Album gut gemeistert

VERÖFFENTLICHUNG» 06.06.2014
BEWERTUNG» 7 / 9
ARTIST»
LABEL» ,
  bei Amazon bestellen

Cro polarisiert in der Szene, weil er sich dem Massengeschmack anpasst. Rapper wollen provozieren – Cro provoziert aber nicht seine Hörer, sondern die Kollegen. Das macht er im Intro „I Can Feel It“ auch textlich deutlich: „Ich weiß, du bist wütend, denn du rappst schon viel länger als ich / und ich weiß, es ist unfair, denn du zählst die Silben schneller als ich“. Das bringt es auf den Punkt. Cros Karriere ist schnell gestartet und er schert sich nicht um gängige Rivalitäten wie gegenseitiges Dissen, langes Wirken im Untergrund und den schnellstmöglichen Sprechgesang. Vielmehr sucht er die melodische Seite des HipHop wie viele amerikanische Vorbilder. Sind wir ehrlich: Die Fanta 4 tun dies schon seit Jahrzehnten und auch Sidos neues Album klingt melodischer denn je.

Sehr konsequent also, dass Cro seinem zweiten Longplayer des Titel „Melodie“ gibt. „Raop“ sollte die Verbindung von Rap und Pop verdeutlichen, das neue Werk legt den Schwerpunkt auf die melodische Seite des Rap. Und die gibt es nun mal unbestritten, liegen doch dicke Wurzeln im Soul und im Reggae. Also Schluss mit Dissen. Carlo Waibel alias Cro öffnet den Rap für die Massen und vor allem für die Spaßfraktion. Das hat sein erneuter Auftritt bei Rock am Ring (diesmal als Überraschungsgast) eindrucksvoll bewiesen. Man muss aber auch sagen, dass die Soundqualitäten live oftmals unter aller Kanone sind. Hier macht es Sinn, die produktionstechnisch ausgereiften CDs zum klanglichen Genuss vorzuziehen. Live wird einfach nur Party gemacht.

Auf der 08/15-Albumversion gibt es genau den Mischmasch, der schon „Raop“ zur Erfolgsstory werden ließ. Da steckt Druck dahinter. das dürfte jedem klar sein. Das schwierige zweite Album ist ein Phänomen, mit dem viele Musiker zu kämpfen haben. Für Nummer 1 hatte man undendlich lange Zeit. Für Nummer 2 gibt es eine Erwartungshaltung und eine Deadline. Cro nahm sich den Druck, indem er 2013 ein komplettes neues Album als Mixtape zum kostenlosen Download veröffentlichte. Jetzt kann er für das zweite physische Album unbeschwert aufspielen – und das merkt man.

Die Musik hat den stets positiven Charakter und spielt mit den Emotionen der Hörer. „Bad Chick“ macht extremen Spaß, wenn Cro seine Ausreden fürs Zuspätkommen zu einer faszinierenden Horrorstory verarbeitet. Oder „Never Cro Up“ mit seinen schönen Wortspielen als Ode gegen das Erwachsenwerden. Doch es gibt auch kritische Töne. „Rennen“ beklagt die Facebook-Gesellschaft, die nicht mehr im Moment verweilen kann. Wer Statusmeldungen und Likes in den Vordergrund stellt, verpasst sein eigentliches Leben.

So hat „Melodie“ seine düstere Seite, die auf der Oberfläche aber ganz hinter den melodischen Spielereien mit Referenzen in Richtung Eminem und Jay-Z verschwindet. Cro legt genau das Album vor, das seine große Fangemeinde von ihm erwartet. Für viele wird es der Soundtrack des Sommers werden. Wirklich Tiefgründiges kann warten – Carlo und Cro sind noch jung.

[amazonButton]Hier kannst Du „Melodie“ bestellen[/amazonButton]