Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra Beethoven für alle (2 CD)

VERÖFFENTLICHUNG» 15.06.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Da hat sich Daniel Barenboim Großes vorgenommen: den guten alten Ludwig van der Allgemeinheit nahe zu bringen. Dafür braucht es ein dickes Box-Set mit Namen „Beethoven für alle“. Dort werden auf fünf CDs die neun Sinfonien im Schnelldurchlauf dargeboten. Wem dieser sinfonische Overkill zu bombastisch ist, der kann sich mit der Doppel-CD „Beethoven für alle – Best Of“ behelfen. Auch hier finden sich die wichtigsten sinfonischen Parts des Meisters, doch das Ganze wird aufgelockert durch Auszüge aus Klavierkonzerten, bei denen Barenboim selbst am Flügel sitzt.

Wir bekommen also auf zwei CDs Daniel Barenboim als Pianisten und Dirigenten geboten. 1999 rief er gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said ein Orchester ins Leben mit dem Ziel, den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens durch die Erfahrungen gemeinsamen Musizierens und des Zusammenlebens zu ermöglichen. Seit mehr als zehn Jahren ist das West-Eastern Divan Orchestra eine feste Größe in der internationalen Musikwelt.

Als Einspielung finden sich zu Beginn die bekanntesten Klänge von „Symphony No. 5“ gefolgt von einem locker-leichten Auszug aus „Symphony No. 3“. Am Piano liefert Barenboim schnelle („Piano Concert No. 1“) und emotionale Klänge („Piano Sonata No. 23 – Appassionata“).

Auf CD 2 geht das Wechselspiel (böse Zungen werden sagen: muntere Durcheinander) locker weiter. Wir hören unter anderem die schmachtende „Piano Sonata No. 14 – Moonlight“ und zum Abschluss 25 Minuten von „Symphony No. 9“, die auch schon die Toten Hosen in ihrer Horrorshow verbraten haben, inklusive der Europahymne „Ode an die Freude“, dargeboten vom Vokalensemble des Kölner Doms.

Man mag von dieser Zerstückelung des Gesamtwerks halten, was man will. Natürlich ist das sehr populistisch und fast schon Mainstream – wie die „Best Of“ eines jeden populären Künstlers. Doch man kann das Werk Beethovens damit auch der Allgemeinheit zugänglich machen, die nicht den Nerv hat, sich mit den kompletten Werken auseinander zu setzen. „Beethoven für alle“ also – Mission erfüllt.