Das neue Album von Hannes Wader ist „Nah dran“

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Irgendwie ist es schon eine erschreckende Feststellung: Reinhard Mey geht stramm auf die 70 zu, Hannes Wader hat dieses Alter kürzlich erreicht. Was, wenn die letzten großen deutschen Liedermacher plötzlich schweigen? Wenn es keine neue Alben mehr gibt? Für „Nah dran“ hat sich der Grandsegnieur der Szene schon viel Zeit gelassen. Ganze sechs Jahre sind seit „Mal angenommen“ vergangen. Allerdings war der Rebell aus Bielefeld in dieser Zeit nicht untätig, hat für „Alte Bekannte“ einige frühere Titel neu eingesungen und war vor allem mit Konstantin Wecker auf Tour. Ein Zusammenspiel, das das grandiose Livealbum „Kein Ende in Sicht“ und die gefühlvolle Dokumentation „Wader, Wecker, Vaterland“ hervor brachte.

Hannes Wader ist eine Legende – doch noch zeigt er sich in alter Frische. Und er schert sich nicht mehr um Konventionen. Der Stimme merkt man das Alter an, doch das verleiht ihr ungeheures Charisma. Und die Songs dauern gerne mal 8-10 Minuten, wenn Hannes glaubt, dass es zu einem bestimmten Thema genug zu sagen gibt. So wie beim Titelsing „Nah dran“. Dann wird erzählt, als säße man gemütlich bei einem Glas Wein zusammen und die Gitarrenuntermalung sei nur zufällig der Erzählung beigefügt. Es kostet manchmal Konzentration, dem zu folgen, doch belanglos ist hier gar nichts.

Das Volkstümliche an „Der Drachen“ betört ebenso wie die französischen Klänge der Eigenkomposition „Boulevard St. Martin“. Und auch einige Coverversionen finden sich im neuen Repertoire: „Last Thing On My Mind“ von Tom Paxton und „Les Feuilles Mortes“ von Jacques Prevert – jeweils mit deutschem Text versehen – und auch Konstantin Weckers „Was keiner wagt“ findet hier Wiederauferstehung, nachdem bereits Reinhard Mey den Song gecovert hat. Ein Lied, das die Szene verbindet.

Einflüsse von Folk, Country und Reggae sind zu finden. Da gibt es schon lange keine Grenzen mehr. Die hervorragenden Musiker tun ihr Übriges dazu.  Jo Barnikel, Nils Tuxen und Benjamin Hüllenkremer sind aus dem Umfeld der deutschen Songwriter-Szene nicht mehr wegzudenken. Sie verfeinerten bereits Weckers Solo-Tourneen und das gemeinsame Auftreten von Wecker/Wader.

Ob nachdenklich, berührend oder verschmitzt. Man hört Hannes Wader immer noch gerne zu. In Kürze geht er auf Tour und wird unter anderem in Saarlouis (18.11.2012) Station machen. Ohne Glamour nennt er die Tour schlicht „Konzert 2012“. Wäre schön, wenn es auch noch Konzerte 2013 und ein Album 2014 gibt.