„Delta Machine“ – das neue Album der britischen Vorzeigeband Depeche Mode

VERÖFFENTLICHUNG» 22.03.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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Depeche Mode bestehen nun schon seit fast 33 Jahren. Und wie andere alte Hasen bringen auch sie im Jahr 2013 ihr dreizehntes Studioalbum auf dem Markt – seltsame Zufälle gibt’s. Zum Glück haben es sich Martin Gore, Dave Gahan und Andy Fletcher aber verkniffen, ihr Album mit der Nummer zu betiteln. Stattdessen gibt es ein hübsches Wortspiel mit den Initialen und den Titel „Delta Machine“. Das passt besser zu einer der innovativsten Bands der vergangenen drei Jahrzehnte.

Zu Beginn steht eine Portion Selbstkritik: „Wir machen jetzt schon unser halbes Leben zusammen Musik“, erklärt Gore. „Wir kennen die Stärken und Schwächen des anderen und wir arbeiten sehr gut zusammen. Wir hatten unsere Höhen und Tiefen, das ist bekannt, aber heute schöpfen wir unser Potenzial voll aus. Das war nicht immer der Fall.“ Also traf man sich im vergangenen April in Gores Studio in Santa Barbara und versuchte, diese Entschlossenheit und die althergebrachte Kreativität in ein neues Album umzuwandeln.

Dave Gahans Rolle als Songwriter wurde noch weiter ausgebaut. Dass er das kann, hat er im vergangenen Jahr mit dem Soulsavers-Projekt mehr als eindrücklich bewiesen. Dieses biographisch angehauchte Werk war ein Fest für alle Liebhaber seiner Stimme. Und Gahan ist diesmal auch bei Depeche Mode für fünf Kompositionen verantwortlich und schrieb mit „Long Time Lie“ (zu finden auf der zweiten Disc der Special Edition) erstmals einen Track mit Martin Gore gemeinsam. „Das Songwriting mit den Soulsavers war eine so befriedigende Angelegenheit, dass mein Enthusiasmus neu geweckt wurde, weiter zu schreiben. Ich kehrte mit einer frischen Perspektive zu meiner Band zurück“, sagt er selbst dazu.

Im Verlauf des Albums stehen die Tracks der beiden Songwriter gut nebeneinander. Es klingt wie aus einem Guss, und das ist eine wichtige Basis für das Trio, das viele Fans als die beste Band der Welt ansehen. Gore meldet große Blues-Einflüsse bei der Entstehung des Werks, doch diese sind beim Endprodukt höchstens noch ansatzweise zu bemerken. Ein Titel wie „Slow“ mag in diese Richtung tendieren, doch er klingt auch sehr fremd im Albumverlauf. Die restlichen Tracks vereinen Depeche Modes Stärken: das elektronische Moment. Wenn eine Vorreiter-Band dieses Genres schon im Titel die Maschine-Natur-Thematik aufgreift, dann ist auch nichts anderes zu erwarten.   Ben Hillier war wieder als Produzent mit an Bord. Er war auch der Mann hinter den beiden letzten Alben „Playing The Angel“ und „Sounds Of The Universe“. Sein Einfluss ist demzufolge nicht zu unterschätzen. Das Ergebnis klingt sehr modern, ist perfekt arrangiert und lässt Fans nach den ersten Klängen von „Welcome To My World“ ins Schwärmen geraten. Man sieht sich schon in der Masse vor einer riesigen Bühne, wenn die drei zu diesen Tönen ihre Show beginnen.

„Heaven“ klingt als Single schon jetzt wie ein Klassiker. „Secret To The End“ und „Broken“ bieten 80er-Jahre-Feeling pur und ein Song wie „My Little Universe“ geht in der Zeit noch weiter zurück. Während Bands wie The Killers, Coldplay und MGMT sich gerne auf die Einflüsse von Depeche Mode berufen, bieten die Urväter einfach alles auf, was sie in ihrer langen Karriere selbst an Trends geschaffen haben. Und das, ohne an irgendeiner Stelle Retro zu klingen. Viel Keyboard und Synthesizer, wenig Gitarren, Rockiges wie „Soft Touch/Raw Nerve“, hämmernde Beats und bisweilen die nötige Prise Pathos.

Der Kreativitätslevel der Briten ist immer noch sehr hoch und ihnen gelingt die Gratwanderung, sich nicht selbst zu verleugnen, dabei aber trotzdem modern zu klingen. Es tut ihrer Musik gut, flüchtige Trends auszublenden und ohne viel Tamtam ihr Ding zu machen. Die Nummer 1 in Deutschland ist schon geschafft. Jetzt fehlt nur noch der große Hit, der die Radiosender aufweckt. „Soothe My Soul“ könnte ein Kandidat dafür sein.

Neben einer Standard CD erscheint „Delta Machine“ auch in einer Deluxe Edition mit vier zusätzlichen Songs und einem 28-seitigen Hardcover-Buch mit Fotos ihres langjährigen künstlerischen Partners Anton Corbijn. Die vier zusätzlichen Songs haben keine Überraschungen zu bieten. Sie sind eine nette Ergänzung zum Hauptalbum und die Aufmachung als Hardcoverbuch im CD-Format ist äußerst gelungen.

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