Der Mann am Klavier wurde 85: Paul Kuhn kehrt zum Jazz zurück und begeistert mit „The L.A. Session“

VERÖFFENTLICHUNG» 12.03.2013
BEWERTUNG» 8 / 9
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„Der Mann am Klavier“ wurde vor wenigen Tagen 85 Jahre alt – und er feiert das große Ereignis nicht etwa mit einer „Best of“ seiner Schlager aus sechs Jahrzehnten Schaffenszeit, sondern er erfüllt sich einen Traum, den er schon lange hatte: „The L.A. Sessions“ in den legendären Capitol Studios mit einer Jazzband, die normalerweise Diana Krall begleitet.

Paul Kuhn ist in Wiesbaden geboren, einer Stadt, in die nach dem zweiten Weltkrieg die Amerikaner den Jazz mit brachten. Und sein Weg schien klar: Trio, Big Band – 1953 galt er als Jazzpianist Nr. 1 in Deutschland. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt… „Der Mann am Klavier“ machte ihn den breiten Massen bekannt. Es folgten Hits wie „Die Farbe der Liebe“ und „Kein Bier auf Hawaii“. Kuhn produzierte Kollegen wie Ralf Bendix und Howard Carpendale. Parallel dazu wurde er als Entertainer und Schauspieler berühmt.

Heute blickt er vermutlich abgeklärt auf diese aufregende Zeit und fragt sich, was geworden wäre, hätten Swing und Jazz weiterhin sein Leben bestimmt. Mit der CD erfüllt er sich diesen Traum und holte sich John Clayton (Bass) und Jeff Hamilton (Drums) mit an Bord. Die Aufnahmen fanden im November 2011 statt und was seine Arbeit am Piano sowie seine (hier nicht so stark geforderten) stimmlichen Fähigkeiten angeht: Der Mann ist topfit! Alterserscheinungen sind Fehlanzeige. Nur die Fotos auf dem Cover und im Booklet zeigen seine heutige Natur. Unverändert sympathisch, fröhlich und altersweise.

Kuhn serviert uns zeitlosen Swing. Eigenkompositionen wie „Almost The Blues“ und „Griff (Dedicated To Johnny Griffin)“. Ganz groß wird es dann mit den interpretierten Standards der Jazz-Geschichte. „Close Your Eyes“, im Original von Ray Noble, „You’ve Changed“ (Nat King Cole), Sinatras „Just In Time“ und das immergrüne „As Time Goes By“. Was Kuhn anpackt, erstrahlt in neuem Glanz. Ein wundervolles Alterswerk, auf dem Paul Kuhn Jazzfreunde mit seinem untrüglichen Gespür für Melodie und Rhythmus betört.