Der wilde Süden: „Heimatsound“ – Bayern kann so anders klingen

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Kürzlich habe ich ein Interview mit der schottischen Band Runrig gelesen, die mutmaßen, warum sie in Deutschland so erfolgreich sind: Die Deutschen lieben den schottischen Folk, da auch ihre Volksmusik so melodisch ist. Man stutzt im ersten Moment, aber es ist auch was dran. Andreas Gabalier beispielsweise ist zwar Österreicher, aber er hat in „Sing meinen Song“ einige deutsche Popsongs in sogenannte volkstümliche Stücke umgewandelt. Und oh Wunder – das hört sich manchmal richtig gut an. Also nicht immer nur Rumtata und Heissassa, sondern die Stücke auf das Wesentliche reduzieren und mit etwas „Heimatsound“ versehen. So funktioniert’s.

Ein Motto dieser Art verfolgt inzwischen auch der Radiosender Bayern 2. Man muss einfach zugestehen, dass sich einiges getan hat in der Szene – vor allem in Bayern, seltsamerweise. Wie war das mit LaBrassBanda? Sie trafen nicht den Massengeschmack, aber plötzlich waren sich alle einig, wie viel besser sie uns doch beim Eurovision Song Contest vertreten hätten als weiland die unsäglichen Cascada.

Und derlei Beispiele gibt es inzwischen viele. Mathias Kellner aus Niederbayern. Er singt mit wohlig-tiefer Stimme und hangelt sich durch eine Mischung aus Folk und Blues mit zum Teil lupenreinen Pop-Elementen. Claudia Koreck und Hubert von Goisern – dazu muss man nicht mehr viel sagen. Ringswandl ermöglichen ein Ausflug in nostalgische Zeiten. Aber auch Ami und MarieMarie. Zwei Newcomer, die man auf keinen Fall dem Alpenraum zuordnen würde. Ganz zu schweigen von der Schweizerin Sophie Hunger. Den Abschluss von insgesamt 42 Titeln machen Dexico, die 2014 den Heimatsound-Wettbewerb gewonnen haben.

Die Compilation versucht eine Bestandsaufnahme für Bayern und die südlichen, bergigen Gefilde. Das gelingt phänomenal und mit einer deutlichen Vielseitigkeit. Mir fehlen auf Anhieb nur Andreas Gabalier und irgendwie auch Frei.Wild (wobei letztere natürlich den musikalischen Rahmen gesprengt hätten). Es gibt inzwischen ein Heimatsound-Festival, das Anfang August in Oberammergau stattfindet, und eine Fernsehreihe im Bayrischen Fernsehen, die im Oktober und November ausgestrahlt wird. Der wilde Süden – es gibt ihn noch!

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1 Kommentar

  1. Mir fehlt auch Otto Göttler, der nach dem „Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn“ noch mehrere Formationen gegründet hat und bis heute spielt.

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