Diana Krall entführt uns mit „Glad Rag Doll“ in die 20er und 30er Jahre

VERÖFFENTLICHUNG» 28.09.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Das Cover der aktuellen CD von Diana Krall zeigt eine Frau, der man ihr Geburtsjahr (1964) einfach nicht ansehen will. Zeitlos schön – wie die Musik, die sie darauf präsentiert. Die Jazzpianistin und Sängerin aus Kanada hat sich in ihrer Karriere verschiedenen Musikrichtungen verschrieben. Neben den Anfängen in der klassischen Musik herrschte lange Zeit die Lust am Interpretieren bekannter Jazzstandards, bevor sie gar den Weg zum Bossa Nova fand. In dieses Bild passt das neue Album „Glad Rag Doll“, auch wenn es wieder in eine ganz andere Richtung geht.

Diana Krall hat anscheinend großen Spaß daran, Klassiker neu zu interpretieren, ja auf ganz eigene Art wieder zu beleben. Hier ist es nun die Musik der 20er und 30er Jahre. Die Songs entsprechen ganz dem Bild, das man von der Künstlerin auf dem Coverfoto bekommt: verrucht, verführerisch, lasziv. Ihre Stimme klingt, als sei sie direkt aus der rauchigen Pianobar quer durch die Zeit zu uns teleportiert. Eine wundervolle Illusion, die noch dadurch verstärkt wird, dass man die Instrumentalbegleitung sehr antiquiert und authentisch klingen lässt.

Aber keine Angst – das Album ist hervorragend produziert und schafft den Spagat zwischen historischem Klangerlebnis und hörenswerter Interpretation locker. Diana Krall wirkt für eine Jazz-Sängerin ungewohnt locker und geht die Musik mit dem für die 20er Jahre typischen Humor an. Die Vielzahl hochkarätiger Gäste passt sich da perfekt ein. Ganz besonders hervorzuheben sind hier Gitarrist Marc Ribot (Tom Waits, Madeleine Peyroux, The Lounge Lizards, John Zorn, The Black Keys), Keyboarder Keefus Green (Red Hot Chili Peppers, Pearl Jam, Primus, Fishbone, Macy Gray), Bassist Dennis Crouch (Steve Earle, John Mellencamp, Johnny Cash, Alison Krauss, Elton John, Gregg Allman) und Schlagzeuger Jay Bellerose (Curtis Stigers, Bonnie Raitt, Regina Spektor, Joe Henry, Salif Keïta).

Diana Krall selbst spielt ein Steinway-Klavier aus dem zu Ende gehenden 19. Jahrhundert. Auch wer nicht unbedingt ein Freund solcher Musik ist, könnte Freude daran Empfinden, der rauchigen und stellenweise erstaunlich tiefe Stimme zuzuhören. Sie versteht es einfach, die Menschen auf eine Zeitreise mitzunehmen.