Die Deftones und die Liebe auf den ersten Blick – „Koi No Yokan“

VERÖFFENTLICHUNG» 09.11.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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Vor zwei Jahren erschien ihr sechstes Studioalbum „Diamond Eyes“ – zu Recht als Meisterwerk gefeiert. Die Band aus Sacramento gilt als einer der Mitbegründer des Nu Metal, hat sich aber längst davon distanziert und mit ihrem 2000er Release „White Pony“ ein Album abgeliefert, das in die Musikgeschichte eingehen muss. Eine Melange aus diversen düsteren Genres mit hohem Aggressionspotential. Die Tempowechsel führen es stark in Richtung des modernen Progressive Rock unseres Jahrtausends. Ein Meilenstein.

Was danach kam, war eher durchwachsen – bis „Diamond Eyes“ das Licht der Welt erblickte und die Mannen um Chino Moreno erneut harten und dennoch gefühlvollen Gitarrenrock ablieferten. Der Sound lebt von Extremen und gerade die Aggressionsschübe peitschen jedes Werk nach vorne. Da bildet auch „Koi No Yokan“ keine Ausnahme. Übersetzt könnte man sagen: „Liebe auf den ersten Blick“ (ein japanischer Ausdruck) – und das war es auch für mich, als ich ohne große Erwartungshaltung die CD einlegte.

Es sind die in jedem Track enthaltenen Stimmungsschwankungen, die das ganze Album ausmachen. So wie bei Opeth zu ihren besten Zeiten. Verträumt an vielen Stellen, dann mit temperamentvollen Ausbrüchen, bis schließlich ein gewaltiges Feuerwerk die Songs mit aggressiven Riffs und Morenos gewaltiger Stimme auf die Spitze treibt. Das macht Spaß vom ersten bis zum letzten Ton.

„Swerve City“ ist ein energischer Einstieg, abgelöst von den Rhythmuswechseln, die „Romantic Dreams“ zu bieten hat. „Tempest“ (die erste Single) klingt unheilvoll-düster. „Poltergeist“ wird sicher live für Furore sorgen. Und die ruhigen Töne von „Rosemary“ und dem nachdenklichen Entombed“ sorgen für das richtige Maß an Erholung zwischen den lauten Passagen. So klingt ein Album, das Moreno in Richtung „Yin & Yang“ verstanden wissen will – einem besonderen „Wechsel von Härte und Schönheit“. Gelungen!