Die Isländer Borko verzaubern mit ihrem zweiten Longplayer „Born To Be Free“

VERÖFFENTLICHUNG» 30.11.2012
BEWERTUNG» 9 / 9
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Der isländische Herzblutmusiker Björn Kristjánsson, der sich u.a. als Mitglied von FM Belfast und Support von Seabear oder mùm einen Namen machen konnte, trägt mit seiner derzeit achtköpfigen Band Borko und seinem zweiten Album  „Born To Be Free“ wahre isländische Winterstürme direkt in unsere heimischen Wohnzimmer.

Bereits 2008 brachten Borko ihr Debütalbum „Celebrating Life“ heraus, welches im Vergleich noch etwas elektronisch-poppiger und insgesamt verspielter angelegt war. Die experimentelle Seite soll aber auch diesmal nicht zu kurz kommen, so sind die Songs durchgehend variationsreich in Instrumentierung und Arrangement, mal orchestral und melancholisch, mal elektronisch und gar sphärisch anklagend. Wie ein roter Faden ziehen sich jedenfalls die schwermütigen, tief drückenden Blas- und Streichinstrumente durch das gesamte Album, die melodisch aber so fein abgestimmt sind, dass kein einziger Track langweilig wirkt.

Schon der Opener „Born To Be Free“ fesselt mit seinen weichen Melodien, sanften Drums, zart gezupften Saiteninstrumenten, Streichern und Kristjánssons melancholischem Gesang und ist somit der verdiente Titelsong des Albums. In den folgenden Songs zeigt sich der ausgesprochen komplexe Charakter des Soloprojekts Borko. Mit einer gekonnten Kombination aus verzerrten Synthiesounds, klassischen Piano-Melodien, zartem Gesang und starken Bläserparts entstehen immer wieder spannende Kompositionen, in denen Elemente der unterschiedlichsten Genres zu einem einmalig gefühlvollen Sounderlebnis verschmelzen. Eingängige Hooklines prägen zunächst „The Final Round“, wobei der Hörer im Mittelpart dann noch mit einem jazzigem Intermezzo überrascht wird. „Yonder“ lebt ganz klar von der Variation aus ruhigen, sanften Parts, die sich dann zu druckvoller Orchestergewalt aufbäumen. Genau das macht Borkos Musik so interessant und lässt sich somit nicht einfach in irgendeine „Musik-Schublade“ stecken. Auffällig sind die extrem langen Tracks, allen voran „Sing To The World“ mit 7.16 Minuten, daher ist das Album mit seinen 9 Titeln keinesfalls ein kürzerer Hörgenuss.

„Born To Be Free“ ist ein perfektes Winteralbum, welches mit seinen außerordentlich feinfühligen Arrangements einen bezaubernden Charme ausstrahlt. Während draußen der ungemütliche Schneesturm tobt und im Haus das Kaminfeuer knistert hören wir nun Borko in Dauerschleife, mindestens so lange bis der nächste Sommer kommt.