Dinosaur Jr. „I Bet On Sky“

VERÖFFENTLICHUNG» 14.09.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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In netter Regelmäßigkeit versorgen die seit 2005 wiedervereinigten Dinosaur Jr. ihre Fans mit neuen Alben. „I Bet On Sky” ist in der neuen Zeitrechnung die Nummer drei und knüpft stilistisch an das gute „Beyond” und den noch besseren Vorgänger „Farm” an. Dennoch sind hier stilistische Elemente zu bestaunen, die man mit dem Trio aus Massachusetts bisher kaum in Verbindung brachte. Da begleitet die Akustik-Gitarre in angenehmer Gleichmäßigkeit einen Song wie „Almost Fare” oder Keyboards und funkiges Gitarrenspiel hauchen „Don’t Pretend You Didn’t Know“ einen ganz besonderen Zauber ein. Auf Mascis‘ berüchtigte wie geniale Ausbrüche an der oft alles dominierenden E-Gitarre wartet man vergebens. Er stellt sein Spiel ganz in den Dienst des Songs, was wunderbar funktioniert. Wohl dosiert setzt er dann auch ein hervorstechendes Riff ein, mit dem z.B. „Watch The Corners” gesegnet ist.

Über allem schwebt J’s unverwechselbare Stimme. Sein Timbre ist und bleibt das wesentliche Alleinstellungsmerkmal dieser Band. Und so gesehen findet ein Bruch nach dem begeisternden Beginn des neuen Werks mit „Rude” statt. Es stammt aus Lou Barlow’s Feder und mag mit seinem Punkbeat so gar nicht zum Rest der Songs passen. Ein komplett homogenes und harmonisches Werk ist von einer Band, die sich eher als Zweckgemeinschaft denn als Freundeskreis darstellt auch nicht zu erwarten. Mit ordentlich Wah-Wah findet „I Know It Oh So Well” wieder zurück ins Fahrwasser. Vor Energie strotzt „Pierce The Morning Rain”, das nicht nur wegen seiner Textzeile „I Bet On Sky” als Kern des Albums gewertet werden kann. Und um Lou Barlow nicht ganz im Schatten seines Frontmannes zu belassen: Sein zweiter Song „Recognition” weiß wirklich zu gefallen.

Einige Reminiszenzen an verschiedene Größen des Rock könnten in einem Review des vorliegenden Albums gezogen werden, jedoch soll an dieser Stelle nur eine benannt werden: Mit „See It On Your Side“ sind Dinosaur Jr. so nah an Neil Young wie nie zuvor. Besser gesagt an ihm und Crazy Horse. Epische Gitarren und säuselnder Gesang, ein würdiger Abschluss eines inspirierten Werks. Alles gesagt? Nein, der dritte Mann im Bunde, Murph, darf nicht vergessen werden. Ohne ihn und seine mutmaßliche Rolle als sozialer Kit zwischen den Egos seiner Bandkollegen, gäbe es diese Combo wohl nicht mehr. Und damit auch ein so gelungenes Werk wie „I Bet On Sky“ nicht. Danke, Murph.