Dispatch kehren mit „Circles Around The Sun“ zurück

VERÖFFENTLICHUNG» 17.08.2012
BEWERTUNG» 8 / 9
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„The Last Dispatch“, Unstimmigkeiten, eine letzte Platte, ein letztes Konzert vor 110000 Menschen. Dann war Schluss für Chad Stokes, Pete Francis und Brad Corrigan. Es sollte allerdings nicht lange dauern, bis das Trio einige Benefizshows auf die Beine stellte und 2011 endgültig zur Reunion blies. Nach zwölf Jahren ohne reguläres Studioalbum gingen Dispatch sogar diesen kreativen Weg und schrieben neue Songs. Vom Ergebnis kann sie die Öffentlichkeit nun mithilfe der fünften Platte „Circles Around The Sun“ überzeugen. Zehn Songs, die nicht in der Vergangenheit stecken geblieben sind, sondern bereit sind, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Um ihrem Backkatalog eine lohnenswerte Ergänzung hinzuzufügen, haben sich Dispatch musikalisch wenige Grenzen gesetzt. Die Stärke des Trios war von je her ihr Zusammenspiel und die musikalische Chemie. Jedoch leugnet „Circles Around The Sun“ die ehemalige Post-Dispatch Entwicklung nicht. Mit State Radio und einer hervorragenden Soloplatte hatte Chad Stokes die kreativsten Sternstunden nach der Auflösung und steuert dementsprechend fünf der zehn neuen Tracks bei. Während Corrigan nach einem großartigen Debüt stagnierte und Francis trotz vieler Veröffentlichungen nie richtig Fuß fasste, hat Stokes das ein ums andere Mal geliefert. Seine Kompositionen wie das temporeiche Titelstück, die kraftvolle Ode „Josaphine“ oder die rhythmischen Plattenhöhepunkte „Never Or Now“ und „Not Messin‘“ sind die stärksten Momente der LP. Nachdem es vor dem Split Streit darum gab, wer wie viele Songs beisteuert, scheinen Corrigan und Francis eingesehen zu haben, wer der stärkste Songwriter der Band ist.

Nach zwölf langen Jahren ohne Studioalbum wäre es vermessen zu erwarten, dass Dispatch dort weitermachen, wo sie mit „Who Are We Living For?“ aufgehört hatten. Was die drei Protagonisten in der Dekade seit der Auflösung musikalisch hinter sich gebracht haben, findet auf „Circles Around The Sun“ seine Erwähnung und den Weg ins Zentrum. Der akustische Gospel-Pop von Corrigan, der abgerissene Americana-Punk von Stokes und Francis‘ melodieselige Balladen gehören 2012 so zu Dispatch, wie es früher vor allem der unbändige Reggae-Folk-Rock war, der das Trio Ende der 90er zu einem Phänomen der US-amerikanischen Indie-Szene hat werden lassen. Weiterentwicklung ist nicht des Teufels Werk, es ist Brot und Butter von relevanten Künstlern. Dass Dispatch nach ihrem Comeback wieder zu dieser Gattung gehören, beweist „Circles Around The Sun“. Und wer nur in nostalgischen Hörgenüssen schweben will, kann ein Konzert der Band besuchen. Denn das, was sie groß gemacht hat, hat das Trio nicht vergessen.