Doppel-CD für den guten Zweck: „121212 – The Concert For Sandy Relief“

VERÖFFENTLICHUNG» 25.01.2013
BEWERTUNG» 7 / 9
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Die USA sind ein Land der Extreme. Das gilt auch für’s Wetter. Ende Oktober des vergangenen Jahres zog der Wirbelsturm „Sandy“ über die Karibik und die Ostküste der Vereinigten Staaten. Ich frage mich, warum man Naturgewalten immer solch niedliche Namen geben muss, denn „Sandy“  tat nichts anderes als eine Schneise der Verwüstung zu schlagen. Alleine in den Küstenregionen von Long Island, Queens, Staten Island und New Yersey forderte „Sandy“ 131 Todesopfer und hinterließ einen Schaden von 63 Billionen US-Dollar. Fast gleichzeitig rollte eine Welle der Hilfsbereitschaft an.

Ein Teil dieser Welle war das Benefizkonzert am 12.12.2012 im New Yorker Madison Square Garden, bei dem einige der grössten Namen der Rock-, Pop- und Soulmusik zusammenkamen. Das Konzert wurde live über sechs Kontinente hinweg im Fernsehen, Radio und Internet übertragen. In Deutschland beteiligte sich der Bezahlsender Sky, zur Abwechslung mal unverschlüsselt. Der gesamte Erlös aus Ticket-, Download- und den Verkäufen der jetzt erscheinenden Doppel-CD „121212 – The Concert For Sandy Relief“ geht an den „Robin Hood Relief Fund“, der Organisationen in den betroffenen Gebieten mit Geldmitteln, Material und Know-How unterstützt. Nur durch den Ticketverkauf waren dies schon über 30 Millionen US-Dollar.

Insgesamt sechs Stunden dauerte das Mammutevent in New York. Knapp 128 Minuten davon kann man sich nun an der heimischen Stereoanlage nochmal zu Gemüte führen. 24 Songs von elf der beteiligten Künstler sind in der exakten Reihenfolge ihrer Auftritte auf „121212 – The Concert For Sandy Relief“ zu hören. Leider fehlt der heimliche Höhepunkt: Zum ersten Mal seit achtzehn Jahren standen im Madison Square Garden die verbliebenen Nirvana-Mitglieder Dave Grohl, Krist Novoselic und Pat Smear wieder gemeinsam auf einer Bühne. Zusammen mit Paul McCartney als Sänger spielten sie den Song „Cut Me Some Slack“. Ich persönlich hätte mir dazu noch das ein oder andere Stück mehr aus der Setlist gewünscht. So zum Beispiel die The Who-Version von „Bell Boy“ mit den Vocals des 1978 verstorbenen Keith Moon. Aber man kann nicht alles haben.

Eröffnet wird der bunte Reigen von Bruce Springsteen & The E Street Band und „Land Of Hope And Dreams“. Es folgen Roger Waters von Pink Floyd, unter anderem bei „Comfortably Numb“ im Duett mit Pearl Jam-Frontmann Eddie Vedder, sowie Adam Sandler und Paul Shaffer mit einer sehr schrägen „Sandy Relief Version“ des Leonard Cohen-Klassikers „Hallelujah“. Während Eric Clapton mal wieder souverän über jeglichen Zweifel erhaben ist, klingt Jon Bon Jovi während der beiden Bon Jovi-Stücke „It’s My Life“ und „Wanted Dead Or Alive“ schrecklich angestrengt. Den Ausklang des ersten Silberlings bilden dann die Rolling Stones und ihr „Jumpin‘ Jack Flash“. Einer der seltenen Auftritte zu ihrem 50-jährigen Jubiläum.

Zum Auftakt der zweiten CD lauschen wir Alicia Keys am Piano und dem wunderschönen „No One“. Sie redet nur etwas viel zwischendurch. Anschließend lassen es The Who standesgemäß krachen, bevor Billy Joel den Fuß wieder ein wenig vom Gaspedal nimmt. Gänzlich kuschelig wird es spätestens dann, wenn Chris Martin zur Akustikversion von Coldplay’s „Viva La Vida“ ansetzt. Absolut fett ist dagegen sein Einsatz an der Seite von Michael Stipe beim R.E.M.-Kulthit „Losing My Religion“. Der Schlußakkord gebührt Paul McCartney mit „Helter Skelter“ von dem Bono (U2) einst sagte: „This is a song Charles Manson stole from The Beatles. We’re stealin‘ it back“. Zum endgültigen Finale begleitet Sir Paul dann noch einmal Alicia Keys während „Empire State Of Mind (Part II)“, der Hommage an ihre Heimatstadt New York.

Im Booklet finden sich darüberhinaus zahlreiche Fotos, auf denen die tolle Stimmung im weiten Rund des Madison Square Gardens sehr schön eingefangen ist. Leider kommt sie auf den zwei CD’s nicht so überzeugend rüber. Außerdem wird zwischen den einzelnen Künstlern immer wieder ausgeblendet, sodass kein durchgehender Konzertgenuß entstehen kann. Trotzdem ist der „121212 – The Concert For Sandy Relief“-Mitschnitt – nicht nur wegen seines guten Zwecks – empfehlenswert. Dass Kanye West als einziger aus dem Line-Up des Abends fehlt macht ihn umso besser.