Düster und trotzdem radiotauglich – „Rituals“ von Team Ghost

VERÖFFENTLICHUNG» 15.03.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Auf das Cover von „Rituals“ muss man schon einen zweiten Blick werfen. Vor schwarzem Hintergrund sitzen die fünf Band-Mitglieder da unscharf und weichgefiltert. Neben ihren Instrumenten sieht man Teile von Ritterrüstungen und andere Accesoires, die auch auf mittelalterlichen Gemälden zu Hause sein könnten. Das ist interessant und hebt sich dunkel von den aktuellem Instagram-artigen Coverbildchen ab, die man sonst so auf aktuellen Pop-Platten sieht. Das Mittelalter – das ist mal richtig retro.

Die Musik von Team Ghost ist dann aber doch aus einer anderen Zeit. Gleich beim ersten Song „Away“ schreihen uns Synthies und Gitarren entgegen und entwerfen eine Geräuschkulisse, die erst einmal überwunden werden muss. Gleich danach werden wir aber schon mit „Curtains“ und „Somebody’s watching“ belohnt, die die bereits vorgestellten Elemente vereinen und melodiöser und tanzbar daher kommen, wenn auch noch unruhig und atmosphärisch.

„Rituals“ ist nach zwei vielversprechenden EPs nun also das erste Album von Team Ghost. Bandgründer Nicholas Fromageau hat Erfahrungen in Sachen moderne Elektronischer Musik mitgebracht: Bis 2004 gehörte er noch zu M83. „Als ich M83 verließ, hatte ich keine Ahnung, was ich genau wollte,“ gibt er zu. Mit dem Ausstieg machte er sich auf den Weg zu dunkleren Klängen. Mehr Goth sollte es sein, mehr Atmosphäre und mehr Gitarren. „Ich versuche einfach, einen neuen Sound zu schaffen und nicht ein zweites M83.“

Als dann bald Christophe Guérin an der Guitarre und Gesang, Felix Delacroix am Schlagzeug und Pierre Blanc am Bass dazu kamen, erregte die Gruppe in Frankreich und im Ausland schnell Aufmerksamkeit und wurde z.B. als Vorgruppe von Crystal Castles für ihre Europa-Tour gebucht.

Elektronische Musik zusammen mit Gitarren ist nicht neu, die Intensität und Dunkelheit der Stücke schon. „Rituals“ könnte auch als der Soundtrack zu einer langen Reise gehört werden, die man in miesem kalten Wetter zurücklegen muss. Für die meisten von uns zu dieser Jahreszeit vielleicht die perfekte Untermalung für den Weg ins Büro. Es holpert an allen Ecken und Enden, der Weg verändert sich. Es fällt schwer, die Gedanken schweifen zu lassen, weil dir hinter jeder Ecke etwas anderes begegnen kann… „Wir versuchen, experimentelle Popsongs zu machen – darum sind die meisten Stücke im Album kurz und knackig“, sagt Nicolas.

Und dann schleichen sich plötzlich Songs wie die erste Single „Dead Film Star“ oder „Fireworks“ dazwischen. Das kann und wird hoffentlich auch genau so im Radio laufen und zwischen der übrigen Chartssuppe angenehm herausstechen. „All we left behind“ hingegen baut sich langsam auf und kracht dann richtig heraus. Wild und durcheinander winden sich die Instrumente – da hört man gerne zu. Alles in allem ist „Rituals“ ein gutes Album, das manchem aber vielleicht trotz eingestreuten Lichtkegeln zu düster und durcheinander ist.

Die Jungs hoffen nun, schnell mit dem Album auf Tour gehen zu können. „Wir spielen gern live! Das ist uns ganz wichtig.“ Ja nun. „Rituals“ ist seit dem 15. März im Handel. Auf die Tour müssen wir bestimmt nicht mehr lange warten.