Eine enttäuschende Mogelpackung: „Indie Cindy“ von den Pixies

VERÖFFENTLICHUNG» 25.04.2014
BEWERTUNG» 4 / 9
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Wer hat vor mehr als zwei Jahrzehnten nicht zu den Klängen von „Surfer Rosa“, Doolittle“ oder „Trompe Le Monde“ getanzt? Die Pixies gelten als eine der Pioniere der späten 80iger Alternative-Bewegung, die den Weg für Bands wie Nirvana, Radiohead oder Pearl Jam ebneten. Insgesamt veröffentlichte das Quartett aus Boston fünf Alben, bevor Mastermind Black Francis 1993 quasi im Alleingang das Ende der Pixies verkündete. Er selbst hatte seitdem weiterhin Erfolg als Frank Black oder im Zusammenspiel mit den Catholics, die Soloaktivitäten der übrigen drei Bandmitglieder verliefen jedoch eher im Sande. Im Jahr 2003 raufte man sich schließlich wieder zusammen und veröffentlichte mit „Bam Thwok“ sogar einen neuen Song und in den vergangenen beiden Jahren drei EPs.

„Indie Cindy“ wird nun als das erste Studioalbum der Pixies seit 23 Jahren verkauft. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. „Indie Cindy“ beinhaltet zwar mit „Bagboy“ den ersten neuen Pixies-Song seit mehr als einem Jahrzehnt, doch daneben bietet das Album lediglich noch acht weitere Songs von der EP-1 und der EP-2, die im September letzten und Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurden plus drei neue Songs der just veröffentlichten EP-3. Diese zwölf Songs wurden im Oktober 2012 in den Rockfield Studios in Wales, UK aufgenommen und vom legendären Gil Norton, der bereits bei „Doolittle“, „Bossanova“ und „Trompe Le Monde“ an den Reglern saß, produziert. Das Albumartwork stammt von Graphic Artist Vaughan Oliver, der auch schon für das Artwork aller vorangegangenen Pixies-Veröffentlichungen verantwortlich war. Nicht wirklich viel Neues also. Immerhin gibt es „Indie Cindy“ noch als Special Deluxe-Doppel CD mit 13 Live-Tracks und einem 40-seitigen Booklet. Kostet zwar auch entsprechend mehr, sollte für Fans aber dennoch der deutlich lohnenswertere Kauf sein.

Das Dutzend auf der uns vorliegenden regulären Edition ist bunt gemischt. Mit „What Goes Boom“, „Greens And Blues“ und dem Titelsong tasten wir uns erstmal vorsichtig ins Pixies-Universum zurück. „Bagboy“ vertreibt die Scheu zunächst schnell. Das Stück ist nicht nur neu, sondern gleichzeitig auch das mit Abstand beste auf „Indie Cindy“. Warum nicht mehr davon? Der Rest schrammelt entweder schön drauflos („Magdalena 318“), wirkt leicht experimentell („Silver Snail“ oder „Andro Queen“), driftet in poppige Gefilde ab („Snakes“) oder ist schlicht Hausmannskost („Ring The Bell“). Lediglich „Blue Eyed Hexe“ mit seinem AC/DC-Gedächtnisriff und das relaxt-fröhliche „Jaime Bravo“ ragen da noch heraus.

„Indie Cindy“ fühlt sich an, als würde man einen alten Freund treffen, dem man auf Anhieb nicht ansieht, ob er noch genauso drauf ist wie früher. Nach den 46 Minuten Albumlänge stellt man fest: Ist er nicht. Okay, das war auch nicht unbedingt zu erwarten. Doch dass die Pixies ihre frühere Dynamik fast völlig verloren haben, lässt sich nicht alleine mit dem Lauf der Zeit erklären. Wenn doch wenigstens Joey Santiago noch so Gitarre spielen dürfte wie einst, als der Name Pixies noch für Originalität stand! Abgesehen von der Vermutung, dass Black Francis mit „Indie Cindy“ ein paar Löcher in seiner Haushaltskasse stopfen möchte, ist das Album rein musikalisch eine ziemliche Enttäuschung. Der alte Freund, mit dem man früher lärmend um die Häuser gezogen ist und dabei eine Schneise durch die Gemeinde geschlagen hat, ist zum langweiligen Spießer mutiert.

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