Elbow und ihr neues poetisches Statement: „The Take Off And Landing Of Everything“

VERÖFFENTLICHUNG» 07.03.2014
BEWERTUNG» 9 / 9
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Elbow waren noch nie eine Band der lauten Töne. Seit vielen Jahren bekommen die Hörer vor allem poetische Texte und melancholische Melodien. Dieses Konzept haben Guy Garvey und seine Mitstreiter – übrigens seit Bandgründung 1990 in Manchester ohne Besetzungswechsel – mit dem sechsten Album auf die Spitze getrieben. Für solcherlei Konstanz werden sie geliebt und gelobt. Bereits das erste Album im Jahr 2000 erhielt eine Nominierung für den Brit Award. Die Erfolgsgeschichte ging in Form des immerwährenden Geheimtipps weiter, bis sie auch diesen Status überwanden und groß in die Charts einstiegen. So ist die langsam ansteigende Erfolgswelle zu verstehen, die schließlich im Sieg bei den Brit Awards 2009 (für die „beste Band des Jahres“) gipfelte.

Dabei warten wir auch heute nicht auf hymnische Ausreißer und Ohrwürmer für die Ewigkeit. Im Gegenteil. Wie beim Vorgänger „Built A Rocket Boys!“ ist es ein Album der leisen Töne geworden. Einen Unterschied gibt es allerdings: Während früher eine kollektive Arbeitsweise vorherrschte, die wir auch von progressiven Mitstreitern wie Marillion kennen, trug man diesmal einzeln oder in wechselnder Zusammensetzung Stücke zum neuen Album bei. Das stört die Homogenität aber keineswegs.

Ist es Zufall, dass mir „Real Life (Angel)“ als erstes im Gehörgang stecken bleibt? Mit seinem lang gezogenen „Hallelujah“ und der zerbrechlich wirkenden Gesangslinie. Oder „Fly Boy Blue / Lunette“, dieser stimmenverzerrte, akustische Track, der so sehr nach Peter Gabriel klingt? Die Aufnahmen fanden in dessen Real World Studios statt und es scheint, als habe Garvey den Geist des großen Meisters tief eingeatmet und in seine Interpretationen gelegt. Zwei wundervolle, starke Tracks.

Und dann sind da die ungewöhnlichen Klänge von „Colour Fields“, für die Pete Turner mit seinem iPad experimentierte. Was für ein sanfter, berührender Song, der trotz aller elektronischen Spielereien von einer eindringlichen Melodiestimme beherrscht wird. Zur Inspiration für seine Texte pendelte Guy Garvey sechs Monate lang zwischen Manchester und New York, wodurch Themen wie Heimat und Heimkommen ihren Eingang in die Texte fanden. So vor allem im Titelsong, der sich stark ins Gedächtnis prägt und dessen Mantra „The Take Off And Landing Of Everything“ am Ende in den Ausmaßen einer Gehirnwäsche, verschachtelt und immerwährend wiederholt wird.

Das Album ist in kompletter Länge genial und bei mir machte sich nach mehrmaligem Anhören ein zunehmend wohliges Gefühl breit. Mit dieser Musik kann man sich zuhause fühlen, vor allem wenn man die ruhigen Klänge anderer britischer Größen wie Peter Gabriel, Marillion oder Coldplay liebt. Elbow haben (mal wieder) etwas ganz Großes geschaffen. Fast 60 Minuten vergehen wie im Fluge und es bleibt nur der Griff zur Repeat-Taste. Grandios!

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