Elbows „Dead In The Boot“ – ein Werk für Komplettisten

VERÖFFENTLICHUNG» 24.08.2012
BEWERTUNG» 6 / 9
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Vorweg sei gesagt, dass es sich hier nicht direkt um ein neues Elbow – Album handelt, sondern um eine Compilation aus den B- Seiten der Band, die 13  von der Band selbst ausgesuchte Stücke ihrer musikalischen Laufbahn seit den frühen 90ern bis in die Gegenwart umfasst. Darunter finden sich durchaus seltene Songs, welche bis dato eher als Sammlerstücke galten.

Bis heute segelt die Gruppe aus Manchester noch immer weitestgehend unter dem Radar der breiten öffentlichen Wahrnehmung und die erste größere Aufmerksamkeit erhielten sie dann erst 2005 mit dem Album  „Leaders Of The Free World“. Es folgte drei Jahre später „The Seldom Seen Kid“ und damit der musikalische „Durchbruch“ des Quintetts um den trunkenen Melancholiker Guy Garvey. Elbow spielten als Support von R.E.M., U2 oder Coldplay und empfahlen sich hier nochmals einem größeren Publikum. Man kann sagen, dass allerdings erst jetzt mit ihrem Auftritt bei den diesjährigen olympischen Spielen auf der Abschlussfeier auch der so genannte Mainstream erreicht wurde.

Elbow bleiben dennoch eine irgendwie seltsame eigenständige Band mit ihrem ganz eigenen Sound aus E- Pianoklängen, schmiegsamen Gitarren, dominanten Basslinien, Soul und Gospel, Handclaps und sphärischer Weltfremdheit, die ihren Schmerz und ihre Trauerarbeit seit jeher in musikalische Kleinode packt, die mal laut nach uneingeschränkter Aufmerksamkeit rufen und andererseits in kammermusikalischer Manier introvertiert an sich selbst arbeiten. Die frühen Anfänge sind naiv, ein experimentelles Suchen nach dem Sinn und die barfüßigen Beine in die Schuhe einer Band namens Radiohead steckend.

Elbow waren schon immer irgendwie umständlich in der Transportation ihrer schönen Geschichten und der Umsetzung mit den vielen Frauenchören, der Schläfrigkeit und am Ende doch dieser einzigartigen Zugänglichkeit und dem magischen Sog ihrer Kompositionen. Wie macht er das bloß, der Garvey?

Diese Band macht handgemachte Popmusik, manchmal wollen sie rocken, sie sind irgendwie immer traurig, auch romantisch, ehrlich und bodenständig. Auf „Dead In The Boot“ beginnen sie mit „Whisper Grass“ und klingen nach Talk Talk. Die dreizehn B-Seiten sind gut gewählt, wirken im Gesamtbild etwas zusammenhanglos und spannen schließlich doch gekonnt den weiten Bogen mit Songs wie „No One“ von der EP „Newborn“ (2000) und dem frühen „Lucky With Desease“ bis hin zu „Buffalo Ghost“ von der im letzen April erschienenen „Open Arms 10“ – Vinyl.

Als Einstieg zu Elbow nicht unbedingt zu empfehlen, sondern eher ein Werk für Komplettisten, zeichnet „Dead In The Boot“ die Band aus Manchester wie sie ist und war: emotional, poetisch, unhaltbar britisch und so sagenhaft schön Indie.