Electronic Music since 1958 – der ultimative Sampler

VERÖFFENTLICHUNG» 03.08.2012
BEWERTUNG» 7 / 9
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Die Entwicklung der Stilrichtung elektronischer Musik geht immer einher mit der Entwicklung von Synthesizern und Drumcomputern. Doch wo waren die Anfänge des Genres? Viele nennen Kraftwerk – gegründet im Jahr 1970. Sie waren sicher Wegbereiter eines Genres, doch die EMI geht in ihrer „Electrospective“ noch weiter und nennt den BBC Radiophonic Workshop als Urknall, der 1958 mit dem „Doctor Who Theme“ für Furore sorgte. Und tatsächlich: Man hört rein und kann sich der kollektiven Erinnerung zumindest rudimentär anschließen.

Der vorliegende Sampler trägt also den Untertitel „Electronic Music Since 1958“. Er ist streng chronologisch aufgebaut (zumindest was die Herkunftsjahre der Stücke angeht, aber unabhängig vom Entstehungsjahr der Remaster und Remixe). Und nach 1958 kommt erst mal lange nichts, bevor Roxy Music, Brian Eno, Tangerine Dream und Can am Horizont leuchten. Die englische EMI lässt Kraftwerk dann auch ganz außen vor – das können wir aber verschmerzen.

Wirklichen Einfluss auf die zeitgenössische Popmusik übt die elektronische Musik vor allem ab Ende der 1960er Jahre aus, als unter anderem neue Instrumente wie etwa der Moog-Synthesizer die Klangwelt geradezu revolutionierten. In den mehr als 40 Jahren seitdem sind immer wieder neue musikalische Akteure und Formationen ins Schallplatten- und spätere CD-Rampenlicht getreten. Die Zusammenstellung funktioniert somit wie ein Stammbaum, der mit David Guetta, Deadmaus und der Swedish House Mafia im Jahr 2010 vorläufig endet.

Die Doppel-CD mit 39 Titeln ermöglicht einen Überblick über die zahlreichen Stilistiken und Entwicklungen elektronischer Musik. Beginnend auf CD 1 mit dem bereits erwähnten BBC Radiophonic Workshop über deutsche Soundpioniere wie Tangerine Dream oder Can, Ambient, EBM, Synthie- und Electro-Pop der frühen 1980er Jahre. Zu den vertretenen Künstlern zählen unter anderem Ultravox, The Human League, Yazoo, OMD und natürlich auch die Pet Shop Boys.

CD 2 dokumentiert die Weiterentwicklung elektronischer Musik hin zu Dance, Underground Trance, Electro Funk-Pop, Symphonic Trip Hop oder zum Beispiel DJ-Dance-Pop. Die Bandbreite der Künstler auf dem zweiten Tonträger reicht von Inner City, Moby, Daft Punk und Air über Massive Attack und die Chemical Brothers bis hin zur Swedish House Mafia.

Die Songauswahl beinhaltet nicht immer den größten Hit des jeweiligen Genre-Vertreters. Grundsätzlich gibt es nur einen Song pro Künstler/Band – und es soll ein möglichst elementares Stück sein, wie „I Travel“ (Simple Minds), „Planet Earth“ (Duran Duran) oder auch „Around The World“ der französischen Daft Punk. Zur musikhistorischen Weiterbildung bestens geeignet – und auch ohne akademische Ansprüche eine sehr gelungene Zusammenstellung.