Empire Escape: „Colours“ – und das unangenehme Gefühl, hier nicht sein zu wollen

VERÖFFENTLICHUNG» 13.09.2013
BEWERTUNG» 4 / 9
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„Colours“ nennen Empire Escape ihr Debutalbum und als Hörer fragt man sich, was die Band einem damit sagen möchte. Besonders bunt und poppig ist das Album nämlich nicht. Es ist ein Herbstalbum, das eher die melancholische Stimmung einfängt als die Farben. Ein schönes Bild, dem das Album aber leider nicht gerecht wird.

Die ersten paar Songs sind ok, da kommt nichts Unerwartetes. Irgendwie kommen sie alle nicht aus der Hüfte. Oder wollen es nicht.

Empire Escape kommen aus Berlin. Hendrik Schäfer, Michael Jobs, Ihno Homma und Julius Rothländer haben die Band neu gegründet, die früher einmal Ikaria hieß. Eine lange Geschichte windet sich um diesen Neustart, die aber auch nicht so wahnsinnig spannend ist.

Ab dem vierten Song wird das Album besser. Bei „Divine“ gibt es einen schönen Gitarrenlauf. Auch „Lightships“ kann was. Aber: Obwohl ich dunkle Barritonstimmen bei so vielen Band sehr gerne habe. Bei Schäfer kommt das nicht rüber. Er hört sich eher gelangweilt an. Da ist keine Range, keine Kraft in den tiefen Tönen. Schüttel ihn doch mal jemand, damit er aufwacht.

In England haben sie sich neu gegründet, in Schweden wurden die Stücke eingespielt. Viele Texte auf „Colours“ handeln vom Reisen, nach Hause kommen und wieder weggehen. Die Songs hören sich nach Heimweh an. Aber oft nicht nach der schönen Erinnerung an zu Hause, sondern an das unangenehme Gefühl, hier nicht sein zu wollen.

„Silhouettes“ gefällt mir wieder. Das könnte man auch auf dem Soundtrack eines netten kleinen Indie-Films finden. Nichtsdestotrotz hört es sich so an, als lege man keinen Wert auf etwas Neues – oder Spannendes. Alles schon gehört. „Constellations“ ist stark, Potenzial ist also da.

Besonders bei „There will be blood“ zeigt sich aber die Schwäche des Albums. Schäfer ist kein Sänger. Oder möchte es nicht sein. Dem ganzen Album fehlt Motivation. Für was auch immer.