Extol – Self Titled: Perfektion ist ein Fluch!

VERÖFFENTLICHUNG» 24.06.2013
BEWERTUNG» 6 / 9
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Kaum hatten Extol 2007 ihren Hiatus verkündet, wurden sie von der Metal-Gemeinde als die schwedischen Helden gesehen, die niemals übertroffen werden können. In den letzten Jahren war der Ruf, dass Extol zurückkehren sollte, immer größer geworden. Viele amerikanische Bands, die sich den Sound und den Stil der Norweger angeeignet hatten, hatten jetzt den Erfolg, den eigentlich Extol verdient hätte. Dann, wie aus dem Nichts, verkündigten Extol Anfang 2013, sie würden Mitte des Jahres ein neues Album mit dem Namen „Extol“ veröffentlichen. Die Euphorie war groß – bis das neue Album heraus kam.

Bei vielen Fans hatten Extol ihren musikalischen Höhepunkt lange vor ihrem Auflösen überschritten. Ihr letztes Album „Blueprint Dives“ (2005) hatte damals mit seinen neuen Clean-Gesängen erschreckt und Scharen vor den Kopf gestoßen. Das bahnbrechende Songsystem, das Alben wie „Synergy” (2003) besaß, war verschwunden. Die Songs galten als zu eingängig, rockig und melodisch, besonders im Gesang. Im Jahre 2013 hofften viele auf ein Anschließen an die alten Tage und nicht auf ein Anschließen an die letzten Tage der Band. Extol jedoch hatte sich für das Letztere entschieden.

Betrachten wir „Extol“ (2013), ohne die Vorgeschichte, kann die Platte weitaus mehr, als ihr zugesprochen wird. Technischer Death-Metal wird im klaren Wechselspiel mit eingängigen Melodien über das ganze Album gespielt und gekonnt gezeigt. In Sachen ‚Songwriting‘ merkt jeder das wahre Talent der Band. Ein solches Gemisch so harmonisch zu verflechten, braucht Fähigkeiten! Die Atmosphäre bringt einen an manchen Stellen schon zum Staunen. Die Stimme von Fronter Peter Espevoll wirkt härter als auf allen Alben zuvor, aber auch die Clean-Vocals klangen noch nie so poppig. Hier wurde versucht, das Beste aus der Band herauszuholen, indem alle Mitglieder ihre Stärken perfektionierten. Dabei wurden viele Ecken und Kanten abgeschliffen, die die Griffigkeit der Musik nehmen.

Ich vermute, Extol wollten ein Album schreiben, welches allen Fans gefällt. Eine Aufgabe, die unmöglich zu schaffen war! Es war eine Herausforderung, die leider nur zum Teil gemeistert wurde. Bis auf den bandbenannten Song „Extol“ wirkt das Wechselspiel harmlos! Der Überraschungseffekt fehlt an vielen Plätzen. Die Atmosphäre dieses Werkes wird nur wirklichen Fans zuteil und Extol waren dafür bekannt, alle zu überzeugen. Vielleicht auf der nächsten Platte!