Fish – „A Feast Of Consequences“: Der Schotte rechnet ab. Mit Verflossenen und Kriegstreibern.

VERÖFFENTLICHUNG» 04.09.2013
BEWERTUNG» 9 / 9
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Fünf Jahre lang hat Fish seine Fans auf ein neues Album warten lassen. Genau so lange musste man sich auf den Vorgänger „13th Star“ gedulden und so ist es auch ein gutes Zeichen – lässt der Schotte doch keine Schnellschüsse mehr auf sein Publikum los, sondern schreibt mit seinem Team aus Steve Vantsis, Robin Boult und Foss Paterson komplexe Alben, die einer durchgehenden Thematik folgen und als Ganzes wirken.

Bei „13th Star“ ging es vor allem um den Themenkomplex von Liebe und komplizierten Beziehungen. Dort verarbeitete er seine Sehnsucht nach der wahren großen Liebe. Und das aus ganz aktuellem Anlass, denn die britische Sängerin Heather Findley, die Fish eigentlich heiraten wollte, hatte kurz nach dem Versenden der Einladungskarten die Hochzeit abgesagt. So etwas will verarbeitet werden – und Fish tat und tut dies in wehmütigen, bisweilen energischen Balladen. Inzwischen sind fünf Jahre ins Land gezogen, Fish hat eine andere Herzensdame geheiratet und wurde ein weiteres Mal verlassen. Vielleicht ist das der Grund, warum „Blind To The Beautiful“ und „Other Side Of Me“ so authentisch klingen und zu Herzen gehen.

Hauptthema von „A Feast Of Consequences“ ist aber ein anderes. Wie in „Field Of Crows“ widmet Fish sein Album einmal mehr der Thematik sinnloser Kriege, beschäftigt sich mit den Gefallenen des ersten Weltkriegs und erklärt seine Solidarität zum Fußvolk. In diese Ideen steckt er seine Emotionen und lässt Verzweiflung und Wut freien Lauf.

Der Opener startet mit Dudelsack-Klängen noch ganz behutsam und zeichnet ein sphärisches Bild des „Perfume River“ in Vietnam. Erst zum Ende des elfminütigen Songs hin wird die Ausrichtung rockiger. Damit ist der Übergang zum vorwärts treibenden „All Loved Up“ geschafft, das das Zeug zum tanzbaren Live-Klassiker hat. Mit „Blind To The Beautiful“ kommt schließlich Fishs poetische Ader zum Ausdruck und er singt diese akustische Ballade verstärkt durch eine Violine und die Stimme von Duettpartnerin Elizabeth Antwi, die ihn schon durch die Zeit von „Raingods With Zippos“ geleitete.

Stimmlich ist Fish in Topform. Er musste sich vor einigen Jahren einer Stimmband-Operation unterziehen, da es Knötchen zu lösen galt, die lange Zeit seine vokalen Fähigkeiten beeinträchtigt hatten. Zum Heilungsprozess gehörte es auch, schnell wieder auf die Bühne zu gehen. Vielleicht nicht auf Anraten der Ärzte, aber als eigene Katharsis, um den Mut nicht zu verlieren. Die Akustik-Tour, die eigentlich nur ein kurzer Versuchsballon werden sollte, wurde zum vollen Erfolg und das Trio aus Fish, Frank und Foss begeisterte über zwei lange Jahre das Publikum. Diese Reduzierung auf das Wesentliche hat Fish neue Kraft verliehen und er singt Songs wie „A Feast Of Consequences“, „All Loved Up“ und „Crucifix Corner“ mit unbändiger Energie. Es ist ein Genuss, ihm dabei zuzuhören.

Fish verarbeitet bittere Erfahrungen (das Ende von Beziehungen) im Titelsong, der sich entsprechend aggressiv anhört. Gerade nach dem Lovesong ist er gut platziert und holt den Hörer auf den Boden der Tatsachen zurück. „I tear a page from the book of faces; throw your letters in an open fire.“ Es wird ein Genuss sein, diesen Track live auf der Bühne zu erleben.

Dann aber folgt das Herzstück des Albums – die „High Wood Suite“, die ihm seine Seele gibt. Es handelt sich dabei um ein episches Stück aus fünf zusammen hängenden Songs, die sich einer Schlacht im ersten Weltkrieg widmen, in der beide Großväter des Schotten gekämpft haben. Er hat sich intensiv mit der Geschichte auseinander gesetzt und einen vielseitigen Longtrack geschaffen, der uns ein intensives Hörerlebnis bereitet. Die erzählte Geschichte, die durchlebten Perspektiven, der orchestrale Aufbau und die vielseitige Interpretation bereiten ein Hörerlebnis, wie wir es seit dem epischen „Plague Of Ghosts“ im Jahr 1999 nicht mehr genießen durften. Die Fragmente „High Wood“, „Crucifix Corner“, „The Gathering“, „Thistle Alley“ und „The Leaving“ summieren sich zu fast dreißig Minuten Länge und erzählen die Geschichte unschuldiger Soldaten und junger Leute, die in „The Gathering“ dazu verführt werden, sich als Freiwillige an die Seite kämpfender Truppen zu stellen und in Frankreich einzumarschieren.

Nach diesen intensiven Musikstücken kann es nur ruhiger werden und das Album endet nach 67 Minuten mit den Balladen „Other Side Of Me“, einem Überbleibsel der „13th Star“-Sessions, und „The Great Unravelling“, einem weiteren Duett mit Liz Antwi. Ein friedvoller Abschluss nach dem aufwühlenden Mittelstück. Als Teaser für Neugierige kann ich „All Loved Up“ und dann „Perfume River“ empfehlen. Wer sich dann weiter damit auseinandersetzen will, sollte sich auf jeden Fall die „High Wood Suite“ komplett anhören und auf jeden Fall die Aggressivität des Titelstücks auf sich wirken lassen.

Mit „A Feast Of Consequences“ geht Onkel Fish mal wieder eigene Promotion-Wege. Im normalen Handel ist das Album vorerst nicht erhältlich. Die ersten 5000 Exemplare wurden von ungeduldigen Fans vorfinanziert und enthalten die CD in einem 100seitigen Hardcoverbuch mit umfangreichem Artwork von Mark Wilkinson (der schon die ersten Marillion-Cover schuf). Hinzu kommt eine DVD, die den Entstehungsprozess des Albums dokumentiert. Leider gab es bei der Produktion dieser „Deluxe Edition“ Probleme, so dass sie erst Ende September ausgeliefert wird und dann auch für neue Interessenten im „Fishheads Shop“ erhältlich ist. Momentan muss man sich mit der einfachen CD im Jewel Case begnügen oder auf den Download im hochwertigen FLAC-Format zurück greifen.

Fish_Feast_Package

Ab 23. September ist der Schotte im deutschsprachigen Raum unterwegs, um das Album live zu präsentieren. Hier die Tourdaten:

23.09.2013 Blues Garage – Hannover, D
25.09.2013 Steinhof – Duisburg, D
26.09.2013 Music Hall – Worpswede, D
22.10.2013 Backstage – München , D
23.10.2013 Z7 – Pratteln, CH
25.10.2013 Substage – Karlsruhe, D
26.10.2013 Stadthalle – Landstuhl, D
27.10.2013 Harmonie – Bonn, D
29.10.2013 Colos Saal – Aschaffenburg, D
30.10.2013 Mühle Hunziken – Bern, CH
01.11.2013 Chollerhalle – Zug, CH
03.11.2013 Theater Trier – Trier, D